Duftmarken der neuen Zauberer

11. Juli 2005, 15:06
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Nicht zuletzt durch den überzeugenden Final-Sieg unterstrich Titelverteidiger Brasilien seine Ambition auf den sechsten WM-Titel

Frankfurt - Franz "der kaiserliche Dampf in allen Gassen" Beckenbauer war so richtig glücklich am Abend eines langen Tages. "Heute war ein wunderbarer Tag. Es waren zwei wirklich außergewöhnliche Spiele, besser kann es nicht gehen, besser kann man den Fußball nicht verkaufen. Die Generalprobe ist gelungen. Wir dürfen jetzt nicht übertreiben, aber wir haben den ersten Test bestanden." Der OK-Chef der WM-Endrunde 2006 in Deutschland geizte nicht mit Lob und wurde auch selbst damit überhäuft.

Lob

"Mein Freund macht offenbar einen großartigen Job", sagte der nicht minder berühmte Pelé, der weiland mit Franz Beckenbauer bei New York Cosmos wirkte. "Die Stadien sind fantastisch, und die Tatsache, dass viele Spiele beim Confederations Cup ausverkauft waren, selbst das Finale zwischen zwei ausländischen Mannschaften, zeigt, welche unglaubliche Atmosphäre sich in Deutschland bereits aufbaut. Ich denke, das wird eine großartige Weltmeisterschaft werden."

Mit der Prognose, dass Brasilien der große Favorit im nächsten Jahr sein wird, lehnten sich die Kundigen aller Länder nicht allzu weit aus dem Fenster. Die Selecao, deren Quali nur noch Formsache ist, reist nicht nur als Titelverteidiger an, sie gewann auch das Finale des Confederations Cup gegen Argentinien in souveräner Manier mit 4:1.

Schicksalsschlag

Worauf die in Buenos Aires erscheinende Sportzeitung Olé schrieb: "Glückwünsch. Brasilien war einfach besser, erschreckend übermächtig. Der Karneval der brasilianischen Spieler war verdient. Für den fanatischen Argentinier wäre es besser, nicht weiterzulesen." Argentiniens Teamchef José Nestor Pekerman: "Es gibt Spiele, die sind wie ein Schicksalsschlag. Da sieht man von Anfang an, in welche Richtung es geht." Es war die höchste Niederlage der Gauchos gegen den großen Rivalen seit 1968, auch damals hatte es ein 1:4 gesetzt.

Brasilien war so gut, dass nun einige Arrivierte um ihr Stammleiberl fürchten. Stürmerstar Ronaldo etwa, der den Urlaub dem Confederations Cup vorzog. "Teamchef Carlos Alberto Parreira hat gesagt, dass mein Platz garantiert ist. Aber ich weiß, dass das im Fußball nicht viel heißt", meinte der Kicker von Real Madrid nach dem Endspiel. "Wenn ich ins Team zurückkomme und keine Tore schieße, wird er mich nicht mehr berufen." Die Konkurrenz im brasilianischen Sturm ist heftig. Adriano von Inter Mailand, der gegen Argentinien zweimal traf, wurde mit fünf Toren Schützenkönig des Turniers. Robinho vom FC Santos netzte zweimal, Weltfußballer Ronaldinho von Barcelona netzte dreimal, aber der wird dem Mittelfeld zugerechnet.

Robinho will, verkündete er nach dem Finale, zu Real Madrid wechseln. "Das ist auch besser für meine Familie", meinte er, der nach der Entführung seiner Mutter im November um die Sicherheit in seiner Heimat fürchtet. Sein Berater Juan Figer sagte hingegen, dass er wohl beim FC Santos bleiben werde, so gut sei das Angebot. Ebenfalls auf Urlaub statt beim Confederations Cup weilte der linke Verteidiger Roberto Carlos, auch ein Real-Kicker. Er wurde von Gilberto, der für die Hertha in Berlin arbeitet, vertreten. "Ich habe hier meine Duftmarke hinterlassen und meine Aufgabe mehr als erfüllt", meinte der ganz unbescheiden. Parreira: "Er hat sich bestens ins System eingefügt."

Erquickliches

Auch die Deutschen lieferten beim in der Verlängerung durch Ballack fixierten 4:3 im Spiel um Platz drei gegen Mexiko Erquickliches. Teamchef Jürgen Klinsmann: "Wir sind der Weltspitze wieder ein Stück näher gekommen." Nur Goalie Kahn fand es nicht so lustig. "Es ist schon haarsträubend, wie viele Fehler und Unzulänglichkeiten uns passieren." Die von der Quali befreiten Deutschen bestreiten bis zur Endrunde noch elf Testspiele, unter den Gegnern sind Kapazunder wie Frankreich, Italien, Tschechien oder die Niederlande. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 1. Juli 2005, bez, sid)

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    Karneval in Frankfurt. Die auf Samba Spezialisierten hatten es viel lustiger als die Tango-Liebhaber.

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    Adriano (li) köpfelte zum 4:0. Brasilien gewann zum zweiten Mal den Confederations Cup, dessen Sieger im Jahr darauf freilich noch nie Weltmeister geworden ist.

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