Wahltag im ORF

12. Oktober 2005, 14:37
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Konservative Kräfte wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu mehr Ausgewogenheit bewegen, wie sie sagen ...

Kommt uns das nicht bekannt vor? Konservative Kräfte wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu mehr Ausgewogenheit bewegen, wie sie sagen. Aufsichtsräte lassen Sendungen überwachen. Gelder werden gekappt, Moderatoren weggemobbt. Das trifft gerade die öffentlich-rechtlichen Anstalten in den USA. Doch die Methoden und ihre Rechtfertigung erinnern an die schwarz-blaue Wende im ORF 2001.

Das Bild des ORF vier Jahre danach, ein Jahr vor der nächsten Wahl auf dem Küniglberg: Zuschauer zappen weg, die Werbeumsätze beginnen zu bröckeln, Sonderwerbeformen hat das neue ORF-Gesetz stark beschnitten. Der Appell der Anstaltsleitung an ihre von der Politik entsandten Stiftungsräte zeichnet sich ab: Bitte setzen Sie sich ein, dass wir wieder mehr schleichwerben dürfen! Wir versprechen auch zu sparen!

Zum Sparen hätte das Management schon drei Jahre Zeit gehabt: Seit 2002 ist bekannt, was der ORF nicht mehr darf. Doch er reizte die Grenzen aus, bis Behörden ihm auf die Finger klopften, und beschwert sich nun, dass ihn jemand kontrolliert.

Nicht das ORF-Gesetz ist das Problem der Anstalt, auch wenn es der ÖVP zuallererst dazu diente, die damalige Führung der Anstalt vorzeitig loszuwerden. Der ORF leidet an jenen Personen, denen Schwarz-Blau das Management überließ.

Die Führung des größten Medienunternehmens des Landes weigert sich beharrlich, Gesetze zu befolgen. Sie zögert - vielleicht allzu - lange, das Unternehmen den Folgen dieses Gesetzes anzupassen. Nun werden jene gekündigt, deren Anstellung das Management gerade feierte. Professionell vermeidet diese Führung tunlichst Regierungskritik. Unprofessionell indes ihr Umgang mit dem übrigen Programm. Beides kostet Zuschauer. Die besten Voraussetzungen für weitere fünf Jahre. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2005)

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