"ÖVP bereitet auch in der Steiermark Schwarz-Grün vor"

15. Juli 2005, 17:42
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SPÖ-Chef Franz Voves im STANDARD-Interview: VP-Abtrünniger Hirschmann will VP-Spitze samt Landeshauptfrau Klasnic ablösen

Ex-ÖVP-Politiker Gerhard Hirschmann wolle die jetzige steirische VP-Spitze samt Landeshauptfrau Klasnic ablösen, vermutet SPÖ-Chef Franz Voves im Gespräch mit Walter Müller.

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STANDARD: : Die ÖVP veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Umfrage, wonach Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und die ÖVP nach wie vor die führende Rolle im Land einnehmen. Da wird aus Ihrem Ziel, Erster zu werden, wohl doch nichts?

Voves: Ich glaube, es wird eine wahnsinnig spannende Kopf- an-Kopf-Wahl. Für die ÖVP geht es um sehr, sehr viel, deshalb rechne ich auch mit dem schmutzigsten Wahlkampf, den es in der Steiermark je gegeben hat. Es wird wahrscheinlich am Ende des Tages fünf zu vier in der Regierung stehen. Ob Waltraud Klasnic dabei weiter Erste bleiben wird, werden wir ja sehen. Wir sind absolut optimistisch.

STANDARD: : Mit dem ehemaligen ÖVP-Politiker Gerhard Hirschmann ist ein zusätzlicher Mitspieler aufgetaucht. Wie schätzen Sie seine Chancen ein, als Jolly Joker in der Landeshauptmannfrage mitzumischen?

Voves: Hirschmann ist in die Kategorie der Steigbügelhalter einzureihen. Da gibt es in der ÖVP die ganz klare Zwei-Firmen-Theorie, auch wenn das bestritten wird. Hirschmann wird nie einen SPÖ-Politiker zum Landeshauptmann wählen. Es geht ihm nur darum, in die Regierung zu kommen, um dort das Zünglein an der Waage zu spielen und die jetzige Spitze der ÖVP abzulösen. In seinen Überlegungen spielt Waltraud Klasnic sicher keine Rolle mehr. Er will den Landeshauptmann für seine Mutterpartei erhalten – aber nicht mehr mit Waltraud Klasnic.

STANDARD: : Die ÖVP setzt alles auf die Popularität von Waltraud Klasnic, die in den Persönlichkeitswerten deutlich vorne liegt. Fürchten Sie nicht, in der direkten und persönlichen Auseinandersetzung mit der Landesmutter den Kürzeren zu ziehen?

Voves: Was immer übersehen wird: Waltraud Klasnic ist mit ihren persönlichen Werten in den letzten beiden Jahren wesentlich stärker abgestürzt als ihre Partei. Sie hat 30 Prozent ihrer Zustimmung verloren. Die Menschen haben, so glaube ich, inzwischen ein anderes Klasnic-Bild vor Augen. Sie hat ihre wichtigen strategischen und operativen Stützen in der Landesregierung, Herbert Paierl und Gerhard Hirschmann, verloren. Ihre Führungsschwäche ist jetzt an so Beispielen wie EStAG, Flop beim Großprojekt Spielberg oder Herberstein deutlich sichtbar geworden.

STANDARD: : Waltraud Klasnic konnte in den letzten Tagen allerdings einige Großprojekte präsentieren und durchaus Handlungsstärke zeigen.

Voves: Die Abrechnung wird erst kommen. Man wird erkennen, dass das alles nur große Wahlkampfblasen sind, die wir später abzuarbeiten haben. Da wird noch einiges kommen. Ich warte ja schon auf die Geschenke von Wolfgang Schüssel. Auch er wird wahrscheinlich noch einige Millionen an Wahlgeschenken bringen. Man wird uns weiter demütigen, und ich kann nur sagen: weiter so.

Ich freue mich über jeden derartigen Fehler der ÖVP. Enttäuscht bin ich von den Grünen, die auch in tiefe Schubladen greifen und sich der ÖVP anbiedern. Die ÖVP bereitet auch in der Steiermark eine schwarz-grüne Koalition wie in Oberösterreich vor. Aber ohne dass die grüne Basis diesen Weg gemeinsam mit dieser ÖVP gehen will. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2005)

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    Zur Person

    Franz Voves (52) wechselte 2002 von der Vorstandsetage der Merkur-Versicherung als neuer SPÖ-Chef in die steirische Landesregierung. Im Herbst 2004 kündigte Voves an, Landeshauptmann werden zu wollen. Politisch fährt der steirische SP-Chef einen prononciert linken, aber wirtschaftsorientierten Kurs.

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