Schweiz liefert mutmaßlichen Atomschmuggler an Deutschland aus

2. Juli 2005, 19:16
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Soll libysches Atomwaffenprogramm unterstützt haben

Bern/Karlsruhe - Die Schweiz hat am Donnerstag einen mutmaßlichen Unterstützer des libyschen Atomwaffenprogramms nach Deutschland ausgeliefert. Wie das Berner Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilte, war zuvor die Überstellung von Gotthard L. genehmigt worden. Ihm wird unter anderem die Verletzung des Kriegswaffenkontrollgesetzes vorgeworfen.

Der 61-jährige wurde am Donnerstagmorgen an der Grenzstelle Kreuzlingen-Konstanz den deutschen Behörden übergeben, wie BJ-Sprecher Folco Galli sagte. Das schweizerische Bundesgericht habe zuvor mit Urteil vom 23. Juni die Auslieferung L.s wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz gutgeheißen.

An Mannheim abgegeben

Für den Tatbestand der Beihilfe zu versuchtem Landesverrat sei die Auslieferung allerdings nicht bewilligt worden. Aus diesem Grund gab die Bundesanwaltschaft nach Angaben einer Sprecherin das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Mannheim ab.

L. war am 13. November 2004 an seinem Wohnort in Grabs im St. Galler Rheintal auf Bitten Deutschlands verhaftet worden. Er wird vom deutschen Generalbundesanwalt verdächtigt, 2001 im Auftrag eines Srilankers zusammen mit Komplizen das Rohrwerk für eine libysche Urananreicherungsanlage beschafft zu haben. Im Oktober 2003 war die Produktion des Rohrwerks nahezu abgeschlossen; sie wurde nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht nach Libyen geliefert. L. soll für seine Vermittlertätigkeit bis zu fünf Millionen Franken (3,23 Mio. Euro) kassiert haben.

L. ist nach Einschätzung der Untersuchungsbehörden Teil des internationalen Netzwerks von Atomschmugglern, das vom "Vater" der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadeer Khan, gegründet worden war. Im gleichen Zusammenhang hatte Deutschland Ende Mai den Schweizer Ingenieur Urs Tinner an die Schweiz ausgeliefert. Ermittelt wird in der Affäre auch in Südafrika. (APA/AP/dpa)

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