Debatte um Singvogelfang im Salzkammergut hält an

3. Juli 2005, 22:39
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Vogelfänger: Fang der Tiere war nie in Frage gestanden

Linz/Wien - Als Tierquälerei bezeichnen es die einen, als traditionsreiches und tierfreundliches Brauchtum die anderen. Auch am Donnerstag hielt die gestern, Mittwoch, entfachte Debatte rund um den Singvogelfang in Oberösterreich an.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" meinte, der Verweis auf Brauchtumspflege sei keine ausreichende Begründung für die Genehmigung des Vogelfangs. Ludwig Wiener, Sprecher des Vogelfängerverbandes, hingegen sagte, dass der Vogelfang selbst überhaupt nicht zur Diskussion stünde.

Nur Ausstellung debattiert

Der Vogelfang selbst sei laut Wiener in jener Änderung in der Tierschutz-Veranstaltungsverordnung, die derzeit im Parlament zur Begutachtung liegt, nie zur Debatte gestanden. Es sei hingegen vielmehr um die Ausstellung der Vögel gegangen. Der Fang der singenden Federtiere sei durch das Bundestierschutzgesetz nicht in Frage gestellt, sondern lediglich ihre Ausstellung, die nun per gesetzlicher Ausnahmeverordnung wieder erlaubt werden soll.

Als Falschinformation bezeichnete Wiener somit die vom Tierschutzverein in einer Aussendung vom Mittwoch getätigte Aussage: "Das Verbot des Singvogelfangs soll fallen." Der Singvogelfang sei in Teilen Oberösterreichs landesgesetzlich gestattet.

"Pädagogischer Aspekt"

Die "Vogelschau", bei der das schönste Flugtier prämiert wird, ist bereits seit Jahrhunderten fester Bestandteil im Brauchtum des Salzkammergutes. Vogelfänger-Obmann Alfred Riezinger hatte im Gespräch mit der APA auch ihren pädagogischen Aspekt hervorgehoben. Nirgendwo sonst könne man Gimpel, Zeisig, Stieglitz und Fichtenkreuzschnabel aus so unmittelbarer Nähe betrachten. Durch die Festlegung einer Genehmigungspflicht werde sichergestellt, dass die Ausstellung nur an zwei Tagen im Jahr und in einer tierfreundlichen Art und Weise erfolgt.

Insgesamt dürfen laut Gesundheitsministerium maximal 550 Vögel jeder der vier Arten gefangen werden, und das auch nur vom 15. September bis zum 30. November. Spätestens bis zum 10. April seien die Tiere wieder freizulassen. "Vier Pfoten" verwies darauf, dass Arten wie der Fichtenkreuzschnabel von Dezember bis Mai brüten würden und daher während ihrer Fortpflanzungszeit gefangen gehalten würden. (APA)

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    Der Raubwürger, ein vom Aussterben bedrohter Singvogel

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