Aufregung um online veröffentlichtes "Bioterror-Papier"

8. Juli 2005, 20:25
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Darin analysieren US-Forscher mögliche Folgen eines Terroranschlags auf die Milchversorgung

Washington DC - Autoren haben das umstrittene "Bioterror-Papier", in dem ein potentieller Terroranschlag auf die US-amerikanische Milchversorgung analysiert wird, nun doch online gestellt, berichtet das Wissenschaftsportal Nature. US-Antiterror-Experten haben davor gewarnt, dass das Papier, sollte es in die falschen Hände gelangen, quasi als Anleitung für Terroristen dienen könnte. In dem Papier werden die Folgen eines Angriffes mit dem Nervengift Botulinum analysiert.

Entscheidung

Ursprünglich hätte der Artikel bereits am 25. Mai in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht werden sollen. Das US-Gesundheitsministerium hatte jedoch gegen eine Veröffentlichung protestiert und um Aufschub gebeten. PNAS-Präsident Bruce Alberts hat mit einiger Verzögerung nun dennoch beschlossen, das Papier in seiner gesamten Länge ohne Veränderungen zu veröffentlichen.

"Wir sind der Meinung, dass terroristische Analysen unser Land nur noch sicherer machen können", erklärte der Wissenschaftler in der Online-Ausgabe des PNAS. Das Gesundheitsministerium widerspricht Alberts allerdings: Man respektiere die Meinung von Alberts, teile sie aber keineswegs, schreibt der Sprecher des Assisstant Secretary des Gesundheitsministeriums, Marc Wolfson.

Folgen

Generell scheint in den USA die Meinung zu solchen Abhandlungen, die sich mit theoretischen Terror-Attacken beschäftigen, nicht einheitlich zu sein. Das PNAS-Papier, das von Lawrence Wein und Yifan Liu von der Stanford University in Kalifornien verfasst wurde, beschreibt, was passieren könnte, wenn das Nervengift im Zuge eines Anschlages in einen Milchtanker auf dem Weg zu einer zentralen Abfüllstation gelangt. Die Forscher kalkulieren, dass damit bis zu 568.000 Menschen einer potentiell tödlichen Botulinum-Dosis ausgesetzt werden könnten. Die Zahl der Erkrankungen - das Toxin verursacht Krämpfe bis hin zur Lähmung - hänge davon ab, wie lange es dauert, ehe die Ursache identifiziert wird, oder auch, ob die Milch pasteurisiert ist. Je nach Szenarium könnte laut Bericht der Großteil dieser Menschen sterben.

Kritik

Kritiker werfen den Autoren vor, dass der Bericht sich wie eine Anleitung zu einem Terroranschlag lese. Die Autoren kontern damit, dass viele solcher "Anweisungen" bereits im Internet verfügbar seien. Neue Ideen könne keiner daraus ableiten, lautet der übereinstimmende Tenor. Vielmehr könne ein solcher Bericht der Regierung helfen, die Nation gegen Anschläge zu stärken; und der Öffentlichkeit helfen, den Druck auf politische Entscheidungsträger zu verstärken. (pte)

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    US-Forscher haben einen möglichen Terroranschlag auf die Milchversorgung analysiert.

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