Rom bestellt US-Botschafter wegen Imam-Entführung ein

3. Juli 2005, 13:21
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Haftbefehle gegen 13 CIA-Agenten sorgen für Spannungen zwischen Rom und Washington

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Freitag den amerikanischen Botschafter in Rom, Mel Sembler, wegen der Entführung eines islamischen Geistlichen zu sich zitiert. Der Regierungschef verlangte im Gespräch mit Sembler "Respekt für die italienische Souveränität", hieß es in einer Presseaussendung des Amtes des Ministerpräsidenten. Sembler habe im Namen der US-Regierung versichert, dass die USA die Souveränität Italiens völlig respektierten. Dies werde auch in Zukunft so sein.

Nach Ägypten verschleppt

Der Imam Abu Omar, der mit bürgerlichem Namen Nasr Osama Mustapha Hassan heißt, soll im Februar 2003 in Mailand auf offener Straße von CIA-Agenten aufgegriffen und aus Italien über Deutschland nach Ägypten zum Verhör ausgeflogen worden sein. Den CIA-Agenten wird vorgeworfen, Abu Omar über den US-Stützpunkt Ramstein nach Ägypten verschleppt zu haben, wo er angeblich auch gefoltert wurde. Abu Omar hatte in Italien politisches Asyl erhalten.

Die Regierung Berlusconi hatte am Donnerstag erklärt, über die Entführung des Imam nicht informiert gewesen zu sein. "Es ist ausgeschlossen, dass das Kabinett irgendwelche Operationen dieser Art genehmigt hat", sagte der Minister für die Beziehungen zum Parlament, Carlo Giovanardi, am Donnerstag im Senat. Er schloss auch die Verwicklung italienischer Geheimdienste in die Entführung entschieden aus.

Verletzung der nationalen Souveränität

Die Opposition schaltete das Geheimdienstkontrollkomitee des italienischen Parlaments ein. "Wie kann man eine solche Verletzung der nationalen Souveränität dulden, ohne zu reagieren?", fragte der Chef der Grünen, Alfonso Pecoraro Scanio. Das Komitee muss prüfen, ob italienische Dienste oder die Regierung in Rom von der Verschleppungs-Aktion unterrichtet waren. Dazu sollen Innenminister Giuseppe Pisanu und Verteidigungsminister Antonio Martino angehört werden.

Die Zeitung "Washington Post" hatte am Donnerstag einen Bericht veröffentlicht, wonach die CIA-Agenten die Behörden in Italien über ihre Pläne unterrichtet hätten. Die Zeitung berief sich dabei auf drei CIA-Veteranen "mit Kenntnis von der Operation". Der Bericht wurde von Minister Giovanardi vehement dementiert.

Gegen Abu Omar hatten Anfang 2003 bereits die italienischen Behörden ermittelt. Er soll Verbindungen zur Gruppe Ansar al-Islam gehabt haben. Der Mailänder Untersuchungsrichter hatte auch einen Haftbefehl gegen den Imam erlassen. Die Staatsanwaltschaft versucht derzeit, die ägyptische Regierung zur Rückführung des Verschleppten nach Italien zu überreden.

Konfrontationskurs zu den USA

Für Berlusconi, der in Europa zu den treuesten Verbündeten von US-Präsidenten George W. Bush zählt, ist die Imam-Affäre ein neuer Schlag. Bereits wegen des Todes des italienischen Geheimdienstagenten Nicola Calipari in Bagdad war Berlusconi vor zwei Monaten auf Konfrontationskurs zu den USA gegangen.

Die amerikanische Darstellung, dass US-Soldaten an Caliparis Tötung an einem Checkpoint in Bagdad unschuldig seien, hatte in Italien für Empörung gesorgt. Rom hatte daraufhin in einem eigenen Dossier schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben. Die Soldaten hatten das Auto beschossen, mit dem Calipari die kurz zuvor freigelassene italienische Geisel Giuliana Sgrena zum Flughafen Bagdad bringen wollte. (APA)

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    Der islamische Geistliche Abu Omar wurde entführt und gefoltert

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