
Der 'Unbekannte Partisan' in Tirana muss sich zwischen Sali Berisha (links) und Fatos Nano (rechts) entscheiden
Kopf-an-Kopf-Rennen
Der Unterschied zwischen Sali Berisha und Fatos Nano? "Das ist ganz einfach", sagt der Zeitungskolumnist Mustafa Nano, mit dem Premier nicht verwandt und verschwägert: "Wenn ich einen Artikel gegen Berisha schreibe, dann sagt er sich: Den Mustafa bringe ich um! Und wenn ich Fatos Nano in der Zeitung kritisiere, sagt er sich: Mit dem Mustafa muss ich wieder einmal einen Kaffee trinken gehen!"
Die Wahl gilt als Test für das Land, das in die EU strebt. Bislang waren die Urnengänge für westliche Wahlbeobachter allerdings nicht zufrieden stellend. Wie bei jedem der vorigen Male stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber: die "blauen" Demokraten (PDSH) und die "roten" Sozialisten (PSSH). Auch ihre Anführer, Ex-Präsident Sali Berisha und Premierminister Fatos Nano, sind seit 1991 die gleichen geblieben.
Laut jüngsten Umfragen ist die Mitte-rechts-Opposition unter Berisha leicht in Führung gegangen. Die Demokraten kommen demnach auf 35, die regierenden Sozialisten auf 34 Prozent. Wie bei jeder bisherigen Wahl unternimmt wieder ein Abtrünniger den Versuch, die harte Konfrontation zwischen den beiden Männern aufzuweichen. Diesmal ist es Ex-Premier Ilir Meta, der von Nano vor zwei Jahren mit Korruptionsvorwürfen demontiert wurde.
Schlammschlacht
Wie jedes Mal wird auch wieder aufs Erbitterste gefochten: Hauptopfer der Schlammschlacht ist diesmal die neue Ehefrau von Premier Nano, Xhoana (32), die von Konkurrenten ihres Mannes abwechselnd als Kaderchefin oder "griechische Agentin" beschimpft wird. Seit Tirana immer ordentlicher und wohlhabender wird, nimmt der Verdruss über den archaischen Politikstil zu. Der frühere Premier Meta ist fest entschlossen, sich von keinem der beiden starken Persönlichkeiten vereinnahmen zu lassen. "Berisha und Nano sind das ärgste Hindernis für jeden Fortschritt", sagt er.
Aber das Mehrheitswahlrecht macht es ihm schwer. Mit zehn Prozent, die seiner Sozialistischen Bewegung für Integration (SIM) nach einer Umfrage zufallen dürften, wird er sein Ziel, zweite Kraft zu werden, kaum erreichen. Schließt Meta nicht doch ein Abkommen mit den Sozialisten, verhilft er nur Berisha zum Sieg - auch aus Metas Sicht das größere Übel.
Beide haben versprochen, sich im Falle einer Niederlage zurückzuziehen. Beiden wird wenig Glauben geschenkt. (Red/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2005)
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