Totalübernahme stärkt Schwechat und Linz

12. Juli 2005, 12:51
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Borealis-Unternehmenswert soll steigen - OMV stärkt Petrochemie-Sparte massiv

Wien - Mit der konzertierten Totalübernahme des zweitgrößten Kunststoffkonzerns Europas durch die börsenotierte österreichische OMV und deren Kernaktionär IPIC sind nach OMV-Angaben auch beträchtliche Standort-Vorteile in Österreich - namentlich in den Werken Schwechat und Linz - verbunden.

Durch den bis Ende 2005 abgeschlossenen Ausbau Schwechats zu einem der "führenden Kunststoffstandorte Europas" sowie der bestehenden Borealis-Forschungseinrichtung in Linz werde auch Österreich als Borealis-Standort weiter aufgewertet, so OMV-Vizechef Gerhard Roiss.

Borealis größter Kunde

Borealis ist heue schon größter Kunde der OMV-Raffinerien Schwechat (Niederösterreich) und Burghausen (Deutschland). Borealis verarbeitet 85 Prozent der von der OMV erzeugten Petrochemieprodukte. 2004 betrug der Petrochemie-Umsatz der OMV mit Borealis an diesen zwei Standorten 570 Mio. Euro. Die dort von der OMV erzeugten Petrochemieprodukte werden mit Pipelines zu den unmittelbar benachbarten Polyolefin-Anlagen der Borealis transportiert. 2004 setzte die OMV rund 1,1 Millionen Tonnen Ethylen und Propylen in Schwechat und Burghausen ab, davon rund 650.000 t in Schwechat. Damit deckt OMV rund 30 Prozent des Borealis-Bedarfs an Petrochemieprodukten ab und ist größter Monomerlieferant für den Kunststofferzeuger.

OMV und Borealis werden auch in Schwechat die Wertschöpfungskette stärken: Die OMV-Raffinerie Schwechat erweitert in diesem Jahr ihre Ethylen- und Propylenproduktion von 650.000 auf 900.000 t pro Jahr. Borealis stockt ihre Verarbeitungskapazität in Schwechat analog auf rund 1 Millionen Tonnen pro Jahr auf. Die neuen Anlagen gehen im dritten Quartal 2005 in Betrieb. Dafür werden 400 Millionen Euro je zur Hälfte von OMV und Borealis investiert - Schwechat wird so zu einem der führenden Kunststoffstandorte Europas.

"Damit wird die Nummer-zwei-Position der Borealis in Europa und das Petrochemiegeschäft der OMV nachhaltig gestärkt", betont Roiss. "Diese Kapazitätserweiterung - es ist die größte Einzelinvestition in diesen Standort - bringt der OMV mit Borealis die führende Position bei der Versorgung Mitteleuropas mit hochwertigen Kunststoffprodukten." Der Einsatz eigener Technologie verstärke den Wettbewerbsvorteil von Borealis.

Absicherung der Qualität

Neben der Steigerung des Unternehmenswertes von Borealis nennt die OMV die Absicherung der Profitabilität der OMV-Cracker in Schwechat und Burghausen als eine wesentliche Zielsetzung für die Petrochemieaktivitäten. Dies bedeute, den hohen Integrationsgrad Borealis und OMV im Bereich Petrochemie weiter auszubauen.

Trotz des Eigentümerwechsels weiter aufrecht bleiben die langfristigen Lieferverträge zwischen Borealis und den skandinavischen Produktionsanlagen von Statoil.

Statoil-Chef Helge Lund wurde in der heutigen "Financial Times" mit seinen bisher geäußerten Absichten zitiert, sich auf die Kernaktivitäten (upstream-Geschäft) konzentrieren zu wollen. Deshalb die Trennung von Borealis. Auch andere große Mineralölkonzerne in Europa haben in den letzten Wochen ihre Petrochemie-Aktivitäten zurück gefahren.

Eine Milliarde Euro Umsatz

In Österreich setzte Borealis im Jahr 2004 mit rund 690 Mitarbeitern (500 Schwechat, 190 Linz, 120 Mitarbeiter in Burghausen) rund eine Milliarde Euro um. Bedeutend ist im Konzern der Forschungsstandort in Linz mit insgesamt 190 Leuten. Linz ist für Borealis zudem ein wichtiger Entwicklungsstandort im Automotive-Bereich. Auch die Produkt- und Marktentwicklung sowie Marketing und Vertrieb in den Segmenten Automobil- und Haushaltsgeräteanwendungen (Stoßstangen, Armaturenbretter, Kaffeemaschinen- und Staubsaugergehäuse) sind in Linz beheimatet.

Die OMV war 2004 mit einem Konzernumsatz von 9,88 Milliarden Euro und 6.475 Mitarbeitern sowie einer Marktkapitalisierung von über 10 Milliarden Euro das größte börsenotierte Industrieunternehmen Österreichs. Weitere wichtige Beteiligungen: 51 Prozent an Petrom SA, 50 Prozent an der EconGas GmbH, 45 Prozent am Bayernoil-Raffinerieverbund, 10 Prozent an der ungarischen MOL. Vor allem mit der jüngst erfolgten Übernahme der Petrom-Mehrheit entstand der größte Öl- und Erdgaskonzern Mitteleuropas. (APA)

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