Debatte um lockere Kleiderordnung

13. Juli 2005, 16:22
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Ahmadi-Nejads "Kulturberater" fällt mit liberalen Bemerkungen auf

Hundert Jahre nach der ersten iranischen Revolution, die dem Land eine konstitutionelle Monarchie bescherte (1906– 1979), wird der neu gewählte Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad am 4. August offiziell sein Amt antreten. Ahmadi-Nejad, der seine Wahl nach eigenem Bekunden als Ausdruck einer "neuen Islamischen Revolution" versteht, die sich auf die ganze Welt erstrecken werde, muss sich nun gleichwohl politischen Fragen auseinander setzen, die so gar nicht in sein Programm zu passen scheinen.

So hat etwa ein Berater des neu gewählten Präsidenten in einem Interview Zweifel am Sinn der strengen Kleiderordnung für die iranischen Frauen geäußert. Das rief sofort konservative Abgeordnete wie den Abgeordneten Mohammad Taghi Rahbar auf den Plan ("Wir schämen uns, dass in einem islamischen Land wie dem unseren die Frauen so herumlaufen"), die eine Stellungnahme von Ahmadi- Nejad verlangten.

Morteza Kalhor, der im Wahlkampf als Kulturberater Ahmadi-Nejads aufgetreten war, hatte in einem Interview mit einem iranischen Sender erklärt, man müsse alle Zensuren gegen die Medien aufheben. Zur Kleiderordnung meinte er, man könne die Iranerinnen nicht zwingen, auf bunte Gewänder, die auch Teil der iranischen Kultur seien, zu verzichten; es sei auch absurd, so Kalhor, Sängerinnen nicht zu erlauben, in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Der designierte Präsident habe noch keine Berater und werde zu gegebener Zeit seine Ansicht zu gesellschaftspolitischen Themen äußern, verlautete lediglich aus dem Präsidentenbüro. "Ahmadi-Nejad muss an zwei Fronten kämpfen", meinte die Zeitung Sharg. "Einerseits muss er die Forderungen seiner Gönner vor allem im Kulturbereich erfüllen, andererseits muss er die Wirtschaft in Schwung bringen, damit – wie im Wahlkampf versprochen – jeder Iraner in seinem täglichen Leben etwas von den Öleinnahmen spürt."

Spekulationen über eine Teilnahme Ahmadi-Nejads an der Geiselnahme in der Teheraner US-Botschaft 1979 finden im Iran wenig Glauben: Verglichen mit den Fotos sei er zu klein gewachsen und mit damals 23 zu jung gewesen. (DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.7.2005)

Amir Loghmany aus Teheran
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