Parlament stimmt gleichgeschlechtlicher Ehe zu

20. Juli 2005, 12:19
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Gesetz soll noch im Sommer in Kraft treten - Hunderttausende hatten dagegen protestiert - Premier Zapatero setzt sich gegen Kirche durch

Madrid - Spanien führt nach den Niederlanden, Belgien und Kanada als weltweit viertes Land die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Alle Parteien, mit Ausnahme der konservativen Volkspartei (PP), stimmten am Donnerstag im Madrider Parlament für die rechtliche Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Ehen. Obwohl rund 68 Prozent der spanischen Bevölkerung sich für die so genannte Homo-Ehe aussprechen, gilt das Gesetz als umstritten.

In den vergangenen Wochen hatten hunderttausende Spanier mit Unterstützung der katholischen Kirche gegen die geplante Homo-Ehe in Massendemonstrationen protestiert. Allein in der spanischen Hauptstadt mobilisierte das spanische Familienforum (FEF) über 200.000 Menschen auf einem Protestmarsch. Am Mittwoch legte die Vereinigung im Parlament 600.000 Unterschriften gegen das am Donnerstag verabschiedete Gesetz vor. Benigno Blanco, Vize-Präsident des spanischen Familienforums, gab nach der Verabschiedung des Gesetzes die Enttäuschung "zahlloser Familien" bekannt, die sich von der sozialistischen Regierung unter Jose Luis Rodriguez Zapatero "ignoriert fühlen". Auch die katholische Bischofskonferenz verurteilte das Gesetz als "Angriff auf die Institution der Familie".

Konservative Proteste

Blanco, der gleichzeitig auch Präsident der spanischen Vereinigung kinderreicher Familie ist, erklärte, dass man mit den auch für die kommenden Wochen geplanten Protestaktionen keineswegs gegen die Homosexuellen angehen wolle. "Wir haben nichts gegen die Homosexuellen, aber es gibt keine andere Möglichkeit, sich gegen die Angriffe auf die Familie zu wehren", erklärte Benigno Blanco nach der Parlamentsentscheidung. "Wir verstehen die Position von Premier Zapatero nicht, der Millionen von spanischen Familien nicht zuhören möchte und es verletzt uns, dass er nicht einmal unsere Gründe wissen möchte", sagte Blanco, der daraufhin wies, dass nach der erfolgreichen Massenkundgebung vom 18. Juni sämtliche Familienvereinigungen in regierungsfreundlichen Medien und Homosexuellenverbände geradezu "verdammt worden sind".

Der konservative Oppositionsführer Mariano Rajoy (PP) kündigte sogar an, rechtliche Schritte zu überprüfen, die Parlamentsentscheidung als "verfassungswidrig" anzugehen und zu revidieren. Nach der Sitzung erklärte Rajoy, das Gesetz würde die spanische Gesellschaft trennen und gegeneinander aufwiegeln. Man hätte einen Konsens finden können, den die sozialistische Regierungspartei allerdings nicht suchen wollte, so Rajoy. Die konservative Volkspartei sei zwar für die Ehe zwischen homosexuellen Partner, aber gegen deren Recht, Kinder adoptieren zu können.

Auf der anderen Seite feierte spanische Homosexuellenvereinigung "Felft" die Legalisierung die Gesetzesreform als "Sieg gegen die Diskriminierung". Man wolle weder die Institution Familie noch heterosexuelle Ehen angreifen. Vielmehr möchte man lediglich die gleichen Rechte erhalten, erklärte Beatriz Gimeno, Felgt-Vorsitzende. Sie zeigte sich "überglücklich" nach dem Parlamentsbeschluss und ist überzeugt, dass durch die Gesetzesreform auch die gesellschaftlichen Vorurteile gegen Homosexuelle mit der Zeit abnehmen und bekämpft werden. Anfangs werde es noch Aufsehen erregen und die ersten drei Homo-Hochzeiten würden im Fernsehen gezeigt werden. "Aber die vierte nicht mehr und dann wird alles völlig normal werden", so Gimeno im Madrider Lokalfernsehen.

Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Zapatero erklärte, mit dem Gesetz, das noch im Juli in Kraft treten soll, Spanien "zu einem Symbol der Toleranz" machen und einer "Jahrhunderte langen Diskriminierung" ein Ende setzen wollte. (APA)

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