Milliarden-Garantien als Hürde

12. Juli 2005, 15:29
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Knackpunkt bei dem von der EU-Kommission verlangten Verkauf des VA-Tech-Kraft­werks­baus sind Haftungen und Garantien im Volumen von 1,8 Milliarden Euro - Sie schrecken Finanzinvestoren ab

Wien - Die Übernahme der VA Tech durch Siemens geht ins heiße Finale. Heute, Donnerstag und morgen, Freitag, ist der Aufsichtsrat der Siemens AG Österreich mit der künftigen Aufteilung des Vier-Milliarden-Euro-Anlagenbaukonzerns befasst.

Dann sollte in groben Zügen fest stehen, welche Konzernteile wo im weltweiten Reich des Elektromultis ressortieren - und wie viel die Österreicher danach tatsächlich mitzureden haben.

Fest steht bis jetzt nur, dass ElinEBG bei den zu Österreich gehörenden EU-Erweiterungsländern angedockt wird. Und dass neben der Wasserkraft auch die Gas-Kombi-Kraftwerke verkauft werden.

Vom Tisch ist indes, dass die Sparte Combined-Cycle (thermischer Kraftwerksbau, stellt mit 430 Beschäftigten und 350 Mio. Umsatz rund ein Drittel der VA-Tech-Energieerzeugung) getrennt verkauft wird.

Gesamtlösung

Man strebe eine Gesamtlösung an, der getrennte Verkauf der Sparte Hydro sei nicht geplant, erfuhr DER STANDARD aus Siemens-Kreisen. Derzeit sondiere man mögliche Interessenten, der Verkauf selbst soll mit Due Diligence (vertiefte Prüfung, Anm.) etc. abgewickelt werden.

Allzu einfach dürfte der Verkauf der Hydro-Sparte, zu der auch die Produktion von Turbogeneratoren für General Electric in Weiz gehört (rund 220 Mitarbeiter), nicht werden. Schwierigkeit dabei sind sicher nicht die Finanzmittel für die 884 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftende Hydro, sondern die immensen Garantien, die der Kraftwerksbau notwendig macht.

Es sind dies in Summe rund 1,8 Mrd. Euro. Davon 600 als Bankgarantien mit Rückgarantien des VA-Tech-Konzerns an die Banken und 1,2 Milliarden Euro als direkte Haftungserklärungen des Konzerns an die Kunden.

Rechtsnachfolge

Letztere haben sicher kein Problem mit der finanzstarken Siemens, könnten aber welche mit möglichen Rechtsnachfolgern haben. Als Interessenten im Gespräch sind, wie berichtet, Ex-VA-Tech-Investor Mirko Kovats sowie eine Investorengruppe rund um Herbert Paierl, KTM-Eigner Stefan Pierer (bzw. dessen Cross-Holding) und der Mittelstandsfinanzierer UIAG,

Das Problem dabei: Im Prinzip müssen Banken und Auftraggeber (darunter zahlreiche staatliche Energiekonzerne, Städte und Landesregierungen) einer Übertragung von Haftungen bei jedem einzelnen Kraftwerksauftrag zustimmen.

"Unter einem bei Banken deponierten Barvermögen von 500 Millionen Euro aufwärts wird sich da nichts abspielen", skizziert ein Finanzexperte im STANDARD-Gespräch das Grundproblem. Die immer wieder ins Spiel gebrachten Finanzinvestoren, insbesondere Fonds, kommen für solch einen Deal kaum infrage, denn ein Fonds darf mit dem Fondsvermögen gar nicht haften.

Spannendes Rennen um Chefsessel

Spannend bleibt indes das Rennen um den Chefsessel bei Siemens Österreich. Pikanterweise steht die als fix kolportierte Verlängerung des Vertrags von Generaldirektor Albert Hochleitner doch nicht auf der Tagesordnung. "Das heißt normalerweise, dass ein Vertrag ordnungsgemäß im November ausläuft", sagt ein Kapitalvertreter im Siemens-Aufsichtsrat zum STANDARD.

Im Konzern sieht man das nicht so: Das sei keine Vorentscheidung, eine Verlängerung könne sehr kurzfristig erfolgen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.06.2005)

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VA Tech
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    Problemfall Wasserkraft: Wer den Kraftwerksbau der VA Tech kaufen will, braucht einen langen Atem und vor allem viel Geld.

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