Gerechter Lohn

31. Juli 2005, 17:52
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Die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft schadet bei offenen Märkten nicht nur den Ausgebeuteten selbst - Von Johanna Ruzicka

Was die betroffenen Bevölkerungsgruppen in den reichen Ländern aus den Augen verloren haben: Das Ziel von Globalisierung heißt mehr Gerechtigkeit. Erreichbar durch die Teilnahme armer Länder am weltweiten Handel.

Mit dem Öffnen künstlich abgeschotteter Märkte - sei es bei Textilien, sei es bei Nahrungsmitteln - wird jedoch der Ruf nach alten Sicherheiten in Europa unüberhörbar.

Das ist der falsche Weg, ohne jede Kreativität. Die Lösung ist wie so oft aus Modellen der Vergangenheit ableitbar:

Als Henry Ford Anfang des vorigen Jahrhunderts mit seinem "T-Modell" in die Massenproduktion einstieg, verdoppelte er gleichzeitig die Gehälter seiner Arbeiter. Hintergedanke dieser nur vorgeblich sozialen Tat war, dass sich seine Arbeiter das Produkt auch leisten können müssen.

Henry Ford schuf sich also seinen eigenen Absatzmarkt - und sorgte auch für Wohlstand, Loyalität und Zufriedenheit bei seinen Beschäftigten.

Die ausschließlich auf den Export ausgerichteten Fabriken und Plantagen in den Entwicklungs- und Schwellenländern können deshalb nur der erste Schritt der Globalisierungswelle sein. Die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft schadet bei offenen Märkten nicht nur den Ausgebeuteten selbst, auch sein Arbeitskollege in den entwickelten Ländern ist direkt betroffen, durch Job- und Wohlstandsverlust.

Es wäre an der Zeit, dass die internationalen Interessenvertretungen für einen freien Handel, allen voran die Welthandelsorganisation WTO, eine solche Turboglobalisierung stoppen und in ihre Verhandlungsrunden "weiche" Parameter einziehen. Also Mindeststandards fordern, was die Entlohnung in Entwicklungsländern betrifft. Dann werden die Produkte im alten Europa plötzlich auch wieder konkurrenzfähig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.06.2005)

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