Der Weg zum nächsten ORF-General - Mit Download

16. August 2006, 20:23
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Politik, Personal, Programm gehören ganz eng zusammen auf dem Küniglberg. In schwarzen Zeiten kostet das die "ZiB" massiv Zuschauer. Der Nutzen dieser Politik für die Volkspartei ist freilich so sicher nicht.

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Wäre am jüngsten Gerücht etwas dran, es würde nicht weiter verwundern bei so vielen Hiobsbotschaften über die Lage des Küniglbergs: Der kaufmännische ORF-Direktor Alexander Wrabetz, so heißt es, hat für Herbst 2006 schon einen neuen Job. "Unsinn", dementiert Wrabetz, "ich weiß von nichts."

Wrabetz gilt schon geraume Zeit als rote Hoffnung für die Generaldirektion des ORF. Würde er etwa zum Wiener Finanzlandesrat mutieren, wäre ihm der Job über Jahre verwehrt. Das ORF-Gesetz schließt Politiker von Spitzenjobs in der Anstalt aus.

Beste Aufstiegschancen für Werner Mücke

Mitte 2006 wählt der Stiftungsrat wieder für fünf Jahre eine/n Generaldirektor/in und eine Hand voll Direktoren. Bei den Mehrheitsverhältnissen im Stiftungsrat bis dahin sind höhere Weihen für Wrabetz auszuschließen. Die bürgerliche Kandidatin Monika Lindner will wieder, jedenfalls aus ihrer heutigen Sicht.

Ihre TV-Direktoren dürften die nächste Wahl nicht überdauern, den Job des Onlinedirektors wird Lindner wohl wieder streichen, wenn sie ihn nicht benötigt, um politische Wünsche auszutarieren. Beste Aufstiegschancen, zumindest in Lindners Führungsteam, werden Werner Mück bescheinigt. Als TV-Chefredakteur vermeidet der Bürgerliche vor allem in der "ZiB 1" Konfliktpotenzial für die Regierung großräumig.

Worum es der Volkspartei geht, erklärt ein Bild vom Geburtstag Wilhelm Molterers vor wenigen Wochen. Die Demel-Geburtstagstorte des VP-Klubchefs und Mediensprechers zierte das Konterfei des Kanzlers vor "ZiB"-Hintergrund.

Offenkundig kein Kurs, um Publikum zu interessieren: Nur noch 33,5 Prozent der Zwölf- bis 29-Jährigen verfolgten die "ZiB 1" von Jänner bis Mai 2005. 1997 waren es noch 51,3 Prozent dieser jungen Zielgruppe.

Gesunkene Martkanteile

Bei allen Zuschauern ab zwölf fiel der Marktanteil von 75,1 auf 61,4 Prozent. Litten nur die Quoten der "ZiB 1" unter dem Bürgerfunk, müsste das die ÖVP nicht zwingend stören, auch wenn mit den Werbeeinnahmen das Unternehmen ORF in Schwierigkeiten gerät. Doch selbst als Wahlmaschine taugt die Anstalt nur bedingt: Die ÖVP liegt in den Umfragen mehr oder minder deutlich hinter der SPÖ.

Mück bemüht sich auffällig, vom Politruk-Image wegzukommen: In Reden bemüht um große Perspektive, gewürzt mit etwas Kritik an der Regierung. Dazu Armin Wolf statt Mück als Interviewer bei den "Sommergesprächen". Im Hintergrund freilich muss sich "ZiB"-Innenpolitikchef Hans Bürger gegen die Demontage wehren. 2006 wird nicht nur der ORF-General gewählt, sondern auch der Nationalrat. Aber erst ist der ORF dran. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 30.6.2005)

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