Gericht verhängt "Entfernung der Augen"

4. Juli 2005, 11:48
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Amnesty International alarmiert: 28-jährigem Angeklagten sollen für Tat im Alter von 16 Jahren die Augen operativ entfernt werden

London/Wien - Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) sollen einem 28jährigen Iraner für eine Straftat, die er im Alter von 16 Jahren begangen hatte, jetzt die Augen entfernt werden. Der Oberste Gerichtshof hat die Vollstreckung des Urteils angeordnet, das nun jederzeit ausgeführt werden kann.

Der Angeklagte, dessen Namen amnesty in einer am Mittwoch veröffentlichten Aussendung mit "Vahid" angibt, wurde für schuldig befunden, 1993 einem anderen Jugendlichen Säure aus einer Batterie in die Augen gegossen zu haben, was zu dessen Erblindung führte. Vahid beteuerte während des Verfahrens immer wieder, die Tat nicht vorsätzlich begangen zu haben: Er habe dem Opfer bei einem Streit lediglich drohen wollen, wobei sich der Verschluss der Batterie zufällig geöffnet und zu der schweren Verletzung geführt habe.

Vergeltungsmaßnahme

Laut Gerichtsurteil sollten Vahids Augen als Vergeltungsmaßnahme für die Tat nun ebenfalls mit Säure besprüht werden. Der Rechtsanwalt des Angeklagten legte gegen das Urteil Berufung ein und machte geltend, dass das Gesicht seines Mandanten dadurch Schäden davontragen würde. Die Berufung wurde abgewiesen und das Strafmaß auf operative Entfernung der Augen abgeändert, um so dem Gesicht keinen weiteren Schaden zuzufügen.

"Körperstrafen" bei Kindern erlaubt

Laut Paragraf 1210(1) des iranischen Zivilgesetzbuches liegt die Strafmündigkeit bei Burschen bei 15 Jahren und bei Mädchen bei neun Jahren. Der Iran ist Unterzeichnerstaat des UNO-Übereinkommens über die Rechte des Kindes, das Folter und andere grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafen ausdrücklich verbietet. Ungeachtet dessen werden Straftäter, die zum Zeitpunkt der Tat jünger als 18 Jahre alt waren, zu Prügel- oder Körperstrafen verurteilt. Dies geschieht unter Verweis auf die iranische Definition der Strafmündigkeit und Anmerkung 2 zu Paragraf 49 des Strafgesetzbuches, die "Körperstrafen" bei Kindern erlaubt.

"Blutgeld" gefordert

Vahids Anwalt bemüht sich nun darum, eine Begnadigung für seinen Mandanten von der Familie des Opfers zu erreichen. Diese fordert drei Milliarden Rial (umgerechnet etwa 250.000 Euro) "Blutgeld" als Entschädigung, eine Summe, die Vahid nicht aufbringen kann. (APA)

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