Exhumierung in Litauen

5. Juli 2005, 13:00
posten

Die sterblichen Überreste deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg sollen umgebettet werden

Vilnius - Archäologen in Litauen haben mit der Exhumierung der Leichen von mehreren Hundert deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg begonnen. Die Toten, die bisher unter einem aus der Sowjetzeit stammenden Fußballstadion lagen, sollen auf einen neuen Friedhof in der Hafenstadt Klaipeda umgebettet werden, rund 300 Kilometer westlich der Hauptstadt Vilnius. Das Projekt, für das die litauische Regierung im vergangenen Jahr 200.000 Litas (58.000 Euro) bereitstellte, wird voraussichtlich bis September dauern.

Identifizierung

Die Archäologen in der Ortschaft Panevezys, rund 140 Kilometer nördlich von Vilnius, förderten in den vergangenen Tagen Knochen, Fragmente von Särgen, Stahlhelme und Eheringe zu Tage. Vielen der mindestens 600 Leichen fehlten Arme oder Beine. Die sterblichen Überreste sollen zunächst näher untersucht werden, um eine Identifizierung zu ermöglichen. "Wenn unsere Suche beendet ist, erhält vielleicht jemand in Deutschland Nachricht über das Schicksal seines Großvaters", sagte Albinas Kuncevicius, Archäologe an der Universität von Vilnius und Leiter der Ausgrabungen.

Die deutschen Truppen hatten Litauen von 1915 bis 1918 besetzt und den Soldatenfriedhof neben einem Militärkrankenhaus errichtet. Er war bis zum Einmarsch der Roten Armee in Litauen 1940 intakt. Die Sowjettruppen machten den Friedhof dem Erdboden gleich, zerstörten die Grabsteine und bauten auf dem Gelände ein Fußballstadion. "Wir sind hier, um die historische Wahrheit wieder herzustellen", sagte Kuncevicius. "Diese deutschen Soldaten haben es verdient, ordentlich bestattet zu werden." (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In Litauen werden die sterblichen Überreste deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg exhumiert - zur Umbettung.

Share if you care.