Austrian Research Centers buttern Rücklagen in die Forschung

6. Juli 2005, 12:30
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Zur Schaffung neuer Jobs

Wien - Angesichts stagnierender bis sinkender Zuwendungen durch die öffentliche Hand buttern die Austrian Research Centers (ARC) nun Rücklagen in die hauseigene Forschung. 2004 seien 1,8 Millionen aus Reserven mobilisiert und damit neue Jobs für zwölf Wissenschafter geschaffen worden, sagte der wissenschaftliche Geschäftsführer, Erich Gornik, bei einer Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Wien.

Die Auflösung von Rücklagen sei auch der Grund, dass die ARC im vergangenen Jahr einen Konzern Bilanzverlust von 0,48 Millionen Euro aufzuweisen, also mehr ausgegeben als eingenommen hätten, sagte Helmut Krünes, der gemeinsam mit Gornik die ARC leitet. Die jetzt begonnene Auflösung der Rücklagen werde noch einige Zeit weitergehen, schließlich weist das Unternehmen 2004 einen Kassenbestand von 29,47 Millionen Euro auf. Zusammen mit Finanzierungszusagen durch die Nationalstiftung, will man im Zeitraum 2005 bis 2008 insgesamt 33 Millionen in die Technologieoffensive gepumpt werden. Bis zu 100 teils hoch qualifizierte Jobs sollen dadurch geschaffen werden.

Prüfung

Einer kürzlich von Forschungs-Staatssekretär Eduard Mainoni (B) beauftragten Prüfung der ARC durch das Managementzentrum St. Gallen sieht Krünes gelassen entgegen. "Kollege Gornik und ich haben dem Unternehmen in den vergangenen Jahren eine völlig neue Struktur gegeben, und es ist völlig legitim, dass das Ministerium diese jetzt prüfen lässt", so Krünes. Ein Zwischenbericht dieser Prüfung sei Mitte Juli zu erwarten. Wenn das Managementzentrum Verbesserungen vorzuschlagen habe, sei das nur im Sinne der ARC. Als Forschungsunternehmen dürfe man sich Neuerungen nicht verschließen. Von einer "kritischen Situation" angesichts der Prüfung sei keine Rede.

Krünes und Gornik haben in den vergangenen Jahren die ARC insofern umstrukturiert, als es eine deutliche Reduktion der Forschungsfelder und eine Konzentration der Ressourcen gegeben hat. Es sei nicht mehr zeitgemäß, Forschungsgebiete aufrecht zu erhalten, die mit einer Person besetzt sind, so Gornik. Sieben, acht bis zu 15 Personen müssten schon an einem Strang ziehen um Nägel mit Köpfen machen zu können. Aufgelassen wurde etwa der Bereich "Grüne Biotechnologie".

Ausgebaut bzw. neu geschaffen wurden die Bereiche Nanotechnologie, intelligente Bildverarbeitung, effizientes Energiemanagement in Fahrzeugen, Leichtmetallforschung oder Bioinformatik. Die Umstrukturierungen seien praktisch ohne Kündigungen vonstatten gegangen, die personellen Ressourcen seien ohne größeren Probleme umgeschichtet worden.

Zum Stichtag 31. Dezember waren in den Austrian Research Centers 826,9 Mitarbeiter (berechnet zu Vollzeitäquivalenten) beschäftigt, das sind knapp 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wenn es nach Gornik geht, sollen in den kommenden drei Jahren weitere 160 Beschäftigte dazu kommen.

Die Steigerungen in den vergangenen Jahren sei vor allem zu Gunsten der wissenschaftlichen Mitarbeiter erfolgt, deren Anteil an der Gesamtzahl auf 55 Prozent gesteigert werden konnte. Auch der Anteil an Frauen habe auf wenigstens 2:1 gesteigert werden können, das heißt es kommen auf zwei Männer eine Frau.

Umstellung bei Zusammenarbeit

Gornik ortet derzeit eine Umstellung bei der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. So ist die direkte Auftragsforschung eher rückläufig, dagegen nehmen Partnerschaften zu, bei denen die ARC gemeinsam mit einem oder mehreren Betrieben geförderte Projekte anstreben. "Man muss Vorleistungen bringen und darf nicht warten, bis man irgend einen Zuruf für eine bestimmte Forschung bekommt", erklärte Gornik.

Deshalb investierten die ARC auch in Risikogebiete, etwa Quantenkryptografie. So soll in Zusammenarbeit mit Uni-Wissenschaftern ein fertiges Gerät zu absolut abhörsicheren Datenübertragung entstehen. (APA)

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