Tsunami-Simulator in Japan im Einsatz

6. Juli 2005, 12:59
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Zukünftig soll besser auf Katastrophen reagiert werden können

Yokosuka - Aus dem Ende einer langen Röhre tritt ein Schwall Wasser aus. Sekunden später kracht die Welle durch eine Mauer in ein Wohnzimmer und reißt Bewohner und Möbel mit sich. Das Szenario, das unweigerlich an die Flutkatastrophe im Indischen Ozean Ende Dezember erinnert, spielt sich täglich im Tsunami-Forschungszentrum im japanischen Yokosuka ab. Mit Dummys und Modellhäusern simulieren die Wissenschafter bis zu 2,50 Meter hohe Wellen, um künftig besser auf Katastrophen wie die vom 26. Dezember reagieren zu können.

"Je größer der Tsunami ist, den wir simulieren, desto genauer können wir seine tatsächliche Zerstörungskraft nachbilden", sagte Projektleiter Taro Arikawa während einer Vorführung des Simulators am Mittwoch. Von den Studien erhoffen sich die Forscher Hinweise darauf, wie künftig sicherere Dämme gebaut und effizientere Evakuierungspläne eingesetzt werden können. "Auf Grundlage unserer Daten können wir eine Risikokarte mit den am stärksten gefährdeten Gebieten erstellen", sagte Arikawa. "Dann wüssten die Menschen, wohin sie fliehen sollten."

Wucht

Während der Versuche in Yokosuka zeichnen winzige Sensoren in verschiedenen Stadien die Kraft des Tsunamis auf, der mit einem Tempo von zehn Kilometern pro Stunde in das Modellhaus rast. Das Wasser durchschlägt die zehn Zentimeter dicke Hauswand, wirft einen Tisch und ein Bücherregal um und wirbelt den Dummy in die Luft. Arikawa verglich die Wucht mit der eines Autos, das mit einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde auf einen Gegenstand auffährt.

Ein zehn Meter hoher Tsunami hätte nach Schätzung der Forscher etwa die 25-fache Kraft der im Labor simulierten Welle. Neben der Kraft messen die Wissenschafter auch die Auswirkungen von Tsunamis auf den Meeresboden und das Fundament von Küstenorten. Außerdem testen sie, wie unterschiedliche Materialien und Bauweisen von Dämmen den Verlauf der Wellen beeinflussen.

Die Vereinten Nationen planen für den Indischen Ozean ein ähnliches Frühwarnsystem, wie es bereits im Pazifik in Kraft ist. Das Programm wird laut UN-Schätzungen 30 Millionen Dollar (24,9 Mio. Euro) kosten und könnte Mitte 2006 an den Start gehen. (APA/AP)

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