Urteil im Michelin-Skandal vertagt

10. Juli 2005, 16:05
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Die Teams wurden in einer Sitzung der FIA in zwei von fünf Punkten schuldig gesprochen - Keine Strafe vor 14. September

Paris - Der Automobil-Weltverband FIA hat die mit Michelin-Reifen ausgestatteten Formel-1-Teams nach dem Nichtantritt beim US-Grand-Prix in zwei Punkten schuldig gesprochen, in drei nicht. Die Urteilsbekanntgabe wurde allerdings auf 14. September vertagt. Dies entschied der Motorsport-Weltrat am Mittwochnachmittag in Paris.

McLaren-Mercedes, BMW-Williams, Renault, Toyota, Sauber-Petronas, Red Bull Racing und BAR-Honda waren am 19. Juni in Indianapolis wegen Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Reifen nicht angetreten. Das Septett wurde schuldig befunden, nicht die angemessenen Reifen dabei gehabt und es abgelehnt zu haben, Rennen zu fahren.

Mosley: "Gewaltiger Schaden"

"Diese Sache hat der Formel 1 weltweit und insbesondere in den USA einen gewaltigen Schaden zugefügt. Michelins Job war es, mit einem zuverlässigen Reifen in Indianapolis anzutreten und da hat Michelin vollkommen versagt", sagte FIA-Präsident Max Mosley.

Der 26-köpfige Motorsport-Weltrat sprach die Teams von dem Vorwurf frei, während des Rennens eine Geschwindigkeitsbegrenzung abgelehnt zu haben. Mit den umstrittenen Michelin-Reifen konnten sie in der Steilkurve auf dem Indianapolis Motorspeedway nicht mit hohem Tempo fahren, da sonst die Reifen hätten platzen können.

Außerdem wurden die sieben Formel-1-Teams nicht dafür verurteilt, kein Demonstrationsrennen veranstaltet und die Stewards nicht rechtzeitig über die Startverweigerung informiert zu haben. "Sie haben gesagt, dass sie alles in ihrer Macht stehende getan haben", sagte Mosley. Letztlich hätten sie sich aber der Empfehlung von Michelin beugen müssen.

Mosley: "Strafe wäre unfair"

"Aus meiner Sicht wäre es unfair, nach dem heutigen Stand der Informationen eine schwere Geldstrafe oder überhaupt eine Strafe zu verhängen", sagte FIA-Präsident Max Mosley nach der Anhörung der Rennställe. "In der Zeit bis zum Urteil will ich sehen, was die Teams tun, damit so etwas nie wieder passiert." Der Brite stellte klar, dass er Michelin für den Hauptschuldigen an der Farce in den USA hält.

Die betroffenen Teams könnten somit glimpflich davonkommen. Dennoch kündigten sechs der sieben Rennställe am Mittwochabend in einer Pressemitteilung an, Einspruch gegen die FIA-Entscheidung einzulegen. Sie fühlen sich in allen fünf Punkten unschuldig. Red Bull Racing fehlte auf dem Schreiben. Der Rennstall gab an, zunächst seine Möglichkeiten zu sondieren. Teamchef Christian Horner dazu: "Grundsätzlich wollten wir nicht in eine zu hastige Entscheidung hetzen lassen."

Indes meldeten sich auch 19 Formel-1-Fahrer und -Testpiloten, darunter die drei Österreicher Christian Klien (Red Bull), Patrick Friesacher (Minardi) und Alexander Wurz (McLaren) zu Wort und unterbreiteten der FIA in einem 16-Punkte-Schriftstück ihre Sicht der Dinge. So sehen sie es auch aus Sicherheitsgründen als nicht durchführbar an, beim Rennen in der Kurve 13 jede Runde durch die Box zu fahren. Vielmehr hätten sie es für gut befunden, an der fraglichen Stelle eine Schikane einzubauen. Zum Abschluss betonen die Piloten, dass sie im Grunde nichts lieber gemacht hätten, als das Rennen zu bestreiten.

Mit der Vertagung des Urteils setzt die FIA den Reifenhersteller und seine Partnerteams unter Druck. Bis September sollen sie aufzeigen, welche Maßnahmen sie ergreifen, die 110.000 Zuschauer zu entschädigen sowie den Ruf des Indianapolis MotorSpeedway und das Image der Formel 1 wiederherzustellen. "Falls Maßnahmen ergriffen werden, dass zum Beispiel immer absolut sichere Reifen verfügbar sind, auch wenn sie nicht besonders schnell sind. Dann wird die FIA Nachsicht walten lassen", fügte Mosley hinzu.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug begrüßte den FIA-Beschluss. "Eine vernünftige Entscheidung, und ich bin mir sicher, dass vor dem 14. September alle offenen Fragen zu aller Zufriedenheit geklärt werden", meinte er. Es sei höchste Zeit, "dass wieder der Sport auf der Strecke im Mittelpunkt steht". Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, der im Ferrari den Rumpf-Grand-Prix in Indianapolis mit sechs Autos gewonnen hatte, hatte sich schon vor der Sitzung in Paris für einen Freispruch seiner Konkurrenten ausgesprochen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Flavio Briatore vor der Anhörung in Paris.

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