Innovation: Umweltfreundliche Verpackung für Obst und Gemüse

3. Juli 2005, 16:00
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Forscherin entwickelt kompostierbares Material, das aus Weizen-Gluten und Papier besteht

München - Obst und Gemüse sollen in Zukunft umweltfreundlich verpackt im Kühlschrank der Haushalte lagern. Um dies zu garantieren, hat das Cofresco Institute, das als Joint Venture zwischen der deutschen Melitta Gruppe und der US-amerikanischen SC Johnson gegründet wurde, einen Innovationspreis für die beste Verpackungslösung ausgeschrieben. Gewonnen hat den Preis Carole Guillaume, Professorin für Lebensmittelchemie und Agropolymer Technik an der Universität Montpellier II. Das Projekt befasst sich mit der Entwicklung eines kompostierbaren Materials, das aus einer Verbindung von Weizen-Gluten und Papier besteht.

Durch diese Kombination werden die mechanischen Eigenschaften des Glutens verbessert, gleichzeitig aber bleibt der große Vorteil von Agro-Polymeren, die biologische Abbaubarkeit, erhalten. "Der Genuss von Obst und Gemüse hat ein gutes Image, ist aber durch die kurze Haltbarkeit, die zur Verfügung stehenden Distributionswege sowie die Essgewohnheiten begrenzt. Eine umweltfreundliche Verpackung, die im Haushalt für das Frischhalten von Obst und Gemüse einsetzbar ist, kann helfen, eine gesunde Ernährungsweise zu fördern", erklärt Guillaume den Grundgedanken ihrer Arbeit.

Atmung

Die Haltbarkeit von Obst und Gemüse ist kurz. In den meisten Fällen wird es braun, weich und verdirbt. Dieses Phänomen wird durch die Atmung von Obst und Gemüse verursacht. Guillaume arbeitet mit einer Technologie für eine modifizierte Atmosphäre (MAP: Modified Atmosphere Technology), durch die der Sauerstoffgehalt in der Verpackung verringert werden kann. Zusammen mit einer reduzierten Temperatur kann so die Atmung der Frischprodukte verlangsamt und ihre Haltbarkeit verlängert werden. Trotzdem sollte die Sauerstoffkonzentration stets höher als zwei Prozent sein, da sonst ein Sauerstoffmangel oder ein enzymatischer Stoffwechsel auftreten können.

Der Gasaustausch in der Verpackung ist von zwei Dingen abhängig: von der Atmung des Produkts und von dem Gasaustausch durch die Verpackungsfolie. Daher ist die Gasdurchlässigkeit und -auswahl des Verpackungsmaterials der Schlüssel für eine erfolgreiche Anwendung von MAP.

Potenzial

Als Alternative zu konventionellen Plastikverpackungen arbeitet Guillaume derzeit an der Entwicklung von umweltfreundlichen und biologischen Materialien, wie der Weizen-Gluten-Folie. Diese haben das Potenzial für den Einsatz bei einer großen Bandbreite verschiedener Produkte. Weizen-Gluten-Folien besitzen mehrere Vorteile, besonders dann, wenn die relative Feuchtigkeit sehr hoch ist. Dies ist vor allem bei eingepacktem, frischem Obst und Gemüse der Fall. Die Gasaustauschrate steigt stark mit der relativen Feuchtigkeit an. Die Folie kann außerdem bei Temperaturschwankungen den CO2-Gehalt sehr gut regulieren. Bei all diesen guten Eigenschaften verfügt die Weizen-Gluten-Folie jedoch nur über schwache mechanische Leistungen, die aber durch die Kombination mit einem Papier ausgeglichen werden können. (pte)

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    foto: derstandard.at/graf
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