Rot, Schwarz, Orange einig beim Asyl

von Redaktion  |  05. Juli 2005, 16:25

Alle sprechen von Erfolg - Darabos: Zwangsernährung zwar im Gesetz, wird "faktisch" aber nicht kommen

Wien - Die SPÖ habe "erreicht, dass es in Österreich keine Zwangsernährung von Asylwerbern geben wird", sagte SP-Generalsekretär Norbert Darabos Mittwochnachmittag nach der Asyl-Einigung seiner Partei mit ÖVP und BZÖ. Zu diesem Zeitpunkt hatte BZÖ-Obmann Jörg Haider bereits verkündet, wie "besonders erfreulich" er es finde, "dass sich das BZÖ bei der Möglichkeit zur Zwangsernährung durchgesetzt hat". Die FPÖ glaubt in der Einigung eine Vorleistung der SPÖ auf eine Koalition mit der Volkspartei nach den nächsten Parlamentswahlen zu erkennen.

Konkret ist im Gesetzesentwurf weiterhin von "Heilbehandlung" Hungerstreikender die Rede. Ein Experte des Verfassungsdienstes - so Darabos - habe jedoch "klargestellt, dass Asylwerber in Österreich nicht zwangsernährt werden dürfen". Grüne, Sozialistische Jugend und SP-Menschenrechtssprecher Walter Posch protestierten gegen den - laut Grünen - "Umfaller" der SPÖ.

Nicht wie zuletzt von der SPÖ kolportiert in ein Asylgericht umgewandelt wird der Unabhängige Bundesasylsenat. Hier soll es 15 bis 20 zusätzliche, unbefristet bestellte Richter geben. Innenministerin Liese Prokop (VP) sagte den SP-Verhandlern aber "mit Handschlag" zu, dass es in dieser Frage weitere Gespräche geben wird.

Die Zahl hungerstreikender Schubhäftlinge sei in Österreich "höher als in anderen Staaten der EU", erläutert indes der österreichische amnesty-Generalsekretär Heinz Patzelt. Das liege "einerseits an den Haftbedingungen". Mit verantwortlich sei aber auch das "im EU-Vergleich sehr formale Vorgehen der heimischen Fremdenpolizei, das wenig auf den individuellen Gesundheitszustand eingeht".

Zehn Tage Tortur

"Wer zehn Tage hungert, wird entlassen", heiße es in Wiens Polizeianhaltezentren. Patzelt: "Das hat sich unter Schubhäftlingen herumgesprochen." In anderen Ländern können Häftlinge nicht wissen, wie lange er sich der Tortur des Hungerns unterziehen muss, um aus der Haft entlassen zu werden.

Entschärft wurden die Abschiebebestimmung für so genannte Dublin-Flüchtlinge. Dabei handelt es sich um Menschen, die bereits in einem anderen EU-Land um Asyl angesucht haben. Dorthin werden sie zurück gereicht, bisher hätte das aber blitzartig die Verhängung der Schubhaft bedeutet. Traumatisierte Flüchtlinge sollen nicht mehr abgeschoben werden. (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.06.2005)

Von Irene Brickner
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falsch..grundfalsch..politischCorrect
30.06.2005 14:47
Danke, lieber Standard, für die Zensur die hier

ausgeübt wird, um die SPÖ vor allzu ungestümer Kritik zu schützen !

Jaja, die Presseförderung, gell ?

St. Anger
30.06.2005 14:33
Die SPÖ hat zweifelsfrei bewiesen

daß es dem Rechtsstaat, auch ohne Nazihilfe von Haider, Gudenus, Kampl und Strache, gelingen kann sich selbst abzuschaffen.

byron sully
30.06.2005 13:23

hab mir jetzt mal einige kommentare auf der spö-homepage durchgelesen. ein satz davon gefällt mir echt gut:
"ich hoffe die von ihnen mitbestimmte heilbehandlung wird in bälde bei ihren parteimitgliedern angewannt, wenn sie ihren spargel nicht brav aufessen"

_marvin
30.06.2005 21:35

Habens den selber geschrieben.....???

Jean-Baptiste
30.06.2005 11:08
Die Bewohner von Wiens Gemeindebauten werden zufrieden sein,

so wie mindestens 75 % der österreichischen Bevölkerung auch.

Luky Pozzo
30.06.2005 11:50
Was haben die Gemeindebautenbewohner mit Flüchtlingen zu tun...

... was haben 75 % der Bevölkerung (6 Millionen) mit den paar Tausend Flüchtlingen zu tun, Jean-Baptiste?
Was wird in Österreich über Flüchtlinge an Wissen verbreitet, was über Angstmache, stumpfe Neidreflexe und billige Schlagworte hinaus geht?
Nichts bis gar nichts.

Eine SPÖ, die die Fakten zu Flüchtlingen darstellen würde wie sie sind, die zur Genfer Flüchtlingskonvention und zu ihren humanistischen Traditionen stehen würde, die Faktenlage und konstruktive Lösungen ehrlich argumentieren würde - eine solche SPÖ hätte ein allgemeines Aufatmen und viel Zustimmung auf ihrer Seite.

Eine SPÖ wie die derzeitige, die sich von FPÖVP nur durch verlogene Phrasendrescherei unterscheidet, hat ihre Glaubwürdigkeit und Berechtigung verloren.

Jean-Baptiste
30.06.2005 12:07
ein SPÖ wie Sie sie sich vorstellen,

hätte auf Bundesebene wahrscheinlich 27% und in Wien wäre die Absolute weg.

Und eine Partei hat schliesslich dem Wählerwillen zu entsprechen auch wenn es Ihnen nicht gefällt.

byron sully
30.06.2005 13:05
ich erinnere aber daran,

daß häupl 2001 einen wahlkampf GEGEN rassismus und antisemitismus geführt hat und dennoch einen großen wahlsieg errang. 1995 hieß der innenminister einem und das war dennoch die einzige wahl in den 90ern, bei der die spö dazugewann. also wag ich mal die theorie anzuzweifeln, daß einsatz für menschenrechte wählerInnen verjagt...

Daniel Modler  
30.06.2005 15:16

der häupl ist in wien nicht zuletzt deshalb sehr stark, weils in wien keine ernstzunehmende konkurrenz gibt

Helmut Huber 
30.06.2005 15:00
aber es ist das größere Risiko.

Und in der derzeitigen Situation braucht die SPÖ eine ununterbrochene Folge von Wahlsiegen, um die Schwarzen unter Druck setzen zu können, da wird wohl "keine Experimente!" gelten.

byron sully
30.06.2005 15:33
also bitte,

da bräuchte sich die spö so oder so echt keine sorgen zu machen. in wien ist die absolute wohl fix, im burgenland und in der steiermark wird's wohl zumindest ein plus beim ergebnis geben. die wählerInnen wären nicht in massen abgewandert, wenn die spö gegen das asylgesetz gestimmt hätte. so könnten aber z.b. in der steiermark ein paar leute richtung grüne oder kpö abwandern und die spö vielleicht ganz knapp um platz 1 bringen...
(wobei ich ja zu den ganz wenigen menschen zähle, die meinen, daß bei landtagswahlen landesthemen bei der wahlentscheidung im vordergrund stehen sollten)

Stefan Swoboda 
30.06.2005 12:51

hä? eine partei hat ihren grundsätzen zu entsprechen und zu hoffen und dran zu arbeiten, dass sie dafür eine möglichst breite zustimmung erhält!

dass sich parteien wie quotenheischende fernsehsender verhalten, dass ist ja wohl der skandal.

oder richten sie ihre persönlichen überzeugungen auch an der erreichbaren quote aus?

Heisenbergsche Unschärfe
30.06.2005 14:33
An diesem Problem, dem nichtschielen nach dem wählerwillen

ist das LIF gescheitert.

Helmut Huber 
30.06.2005 13:03
Jaj, genau diese Vorwürfe macht auch Mölzer an die Adresse haiders.

Natürlich gibt es auch fundamental grundsatztreue Parteien. Aber die sind noch in jeder Demokratie sehr bald marginalisiert gewesen. Mitunter unter Hinterlassung eines gefährlichen Vakuums.

Luky Pozzo
30.06.2005 13:36
Ja, ja ganz genau...

Immer ein Vergleicherl, ein Bezugnahmerl, ein Parallelerl auf den Lippen, Huber.
Ob es etwas hergibt oder nicht - egal, es muss erwähnt werden.
Was geht einen denkenden Menschen der Mölzer an?! - Na eben.

Der Extremfall einer ideologisch sich 100% treu und "rein" bleibenden Partei, die politisch agiert und nicht nur in einem politologischen Bilderbuch vorkommt, ist doch nur eine hypothetische Konstruktion.

Der umgekehrte Fall einer ehemals von Gleichheit und Internationalismus beseelten Partei, die ihre Ideologie zu 100% weg geschmissen hat - das ist das Brisante und Verheerende.

Helmut Huber 
30.06.2005 15:03
genau solch eine Partei meinte Swoboda,

und auf genau diese Annahme antwortete ich ihm.

Übrigens folgend einem Zitat im Kurier vor einigen Wochen, in dem Frau Kittner (ex-AZ) über Bosheiten und Watschen innerhalb des orangen Effenkonglomerats berichtete.

Luky Pozzo
30.06.2005 12:30
Nicht nur wie ich es mir vorstelle

Woher wissen Sie, was der "Wählerwille" ist, Jean-Baptiste? Haben Sie ein großes Elefantenohr auf ganz Österreich gelegt?

Die SPÖ hat mit einem großartigen Bildungs- und Aufklärungsauftrag und -programm begonnen, hat die Volkshochschulen, Arbeiterschulen, freien Hochschulzugang, kritische Medien in die Wege geleitet.
Sie hat früher nicht nachgeplappert, was am stumpfsinnigsten Stammtisch eines präsumtiven österreichischen Durchschnitts verbreitet wird und was Sora, Ifes und Imas in Prozenten ausdrücken - sondern sie hat selbst die öffentliche Meinung, das gesellschaftliche Bewusstsein ihren Überzeugungen entsprechend mit geprägt und gestaltet.

Diese Zeiten sind leider längst vorbei, aber der "Wählerwille" ist das noch lange nicht.

Heisenbergsche Unschärfe
30.06.2005 14:35
Die SPÖ wird schon wissen was der wählerwille ist

sonst würden sie nicht so handeln wie sie es jetzt tun.
Sympatisch macht sie dass jedoch nicht.

Jean-Baptiste
30.06.2005 12:37
Wahlen vor der Tür

Welche Menge ist wohl grösser?

Jene die aufgrund dieser Entscheidung nun Grün wählen oder jene, die nun nicht Strache sonder SPÖ wählen wird.

Da brauch ich nicht mal die mir vorliegenden Umfragen. Das könnte ich aus dem Bauch beantworten.

Matthias Bernhart 
30.06.2005 14:17
stimmengeil,


ohne grundsätze, die reihen dicht geschlossen, im stechschritt marsch

verantwortung? was die mehrheit denkt, muss wahr
sein!

- ein porträt der spö nach orakeln von johannes den
täufer

Jean-Baptiste
30.06.2005 12:12
Ich bitte auch hier um Toleranz

Die Bevölkerung will es.

Fast alle Parteien wollen es.

Wer es nicht will, kann sein Stimme den Grünen geben.

Mehrheitsentscheidungen sind Tatsachenentscheidungen und zu respektieren.

Jean-Baptiste
30.06.2005 12:17
und noch eins

Die Basis der SPÖ will es. Und das sind ja auch diejenigen, die brav ihre Parteisteuer abliefern.

Nicht die Salonintellektuellen oder Träumer.

Flash Gordon
30.06.2005 11:01
Na wenn man so die Kommentare in diesem Forum liest,

dann müßten eigentlich die Grünen bei der nächsten Wahl die absolute Mehrheit bekommen. Daß dem nicht so ist, ist der Vergesslichkeit der Österreicher in Fragen der Politik anzulasten. Wie sonst könnte es sein, daß wir aktuell das Kabinett Schüssel II erleben ?

Jean-Baptiste
30.06.2005 11:24
Keine Frage von Vergesslichkeit, sondern eine Frage von Mehrheiten

Das Standardforum ist doch bezüglich der österreichischen Gesamtbevölkerung sowas von nicht repräsentativ.

Somit ist eines sicher: es wird auch Schüssel III geben, in welcher Koaliation auch immer.

Daniel Modler  
30.06.2005 15:17

"Das Standardforum ist doch bezüglich der österreichischen Gesamtbevölkerung sowas von nicht repräsentativ. "

pfoa! schreck mi! na zum glück ned!!!

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