"Wer schnell inskribiert, hat den Platz so gut wie sicher"

7. Juli 2005, 15:12
35 Postings

Das EuGH-Urteil kommt am 7. Juli, die Inskription der Wiener Mediziner startet aber bereits am 4. Juli - eine "Galgen­frist" für Studierende

Das EuGH-Urteil ist noch nicht gesprochen, schon beginnen die einzelnen Unis über mögliche Beschränkungen des freien Hochschulzuganges nachzudenken. Über die genauen Modalitäten herrscht an den österreichischen Universitäten noch Uneinigkeit.

Drastische Maßnahmen

Die Medizin-Uni Wien hat sich als eine der ersten Universitäten zu einer drastischen Maßnahme entschlossen: Ab sofort gilt ein "First come, first serve"-Prinzip. Konkret bedeutet das, dass im ersten Studienabschnitt nur 1560 Studienplätze für Praktika und Übungen zur Verfügung stehen. Vorlesungen können weiterhin ohne Beschränkungen besucht werden. Wer zuerst inskribiert, bekommt den Platz. Wenn Österreich verurteilt wird, können ab dem 8. Juli auch Studierende aus dem Ausland ohne weitere Beschrämkungen an heimischen Unis inskribieren.

"Das bedeutet konkret, dass wir allen Studierenden nur empfehlen können, bis zum 8. Juli zu inskribieren", erklärt die Vorsitzende der UV-Medizin, Judith Böhm. Dann sei ein Studienplatz "so gut wie sicher" - eine letzte "Galgenfrist" für Studierende. Falls man sich selber auf Maturareise befinde oder sonst verhindert sei, könnten dies auch die Eltern übernehmen.

Noch gibt es Plätze

Allerdings ist dabei zu beachten, dass eine Inskription und damit eine Sicherung der begehrten Praktikums-Plätze erst nach erfolgter Voranmeldung und Einzahlung des Studiengebühren-Erlagscheins möglich ist. Die Voranmeldung war seit 14. Juni möglich, der Erlagschein wird danach zugeschickt. Bisher gibt es etwa 800 Voranmeldungen - also noch keine Platznot.

Das Problem sieht Böhm eher bei spät entschlossenen MaturantInnen, HTL-AbgängerInnen die noch Ergänzungsprüfungen ablegen müssen oder bei denjenigen, die im Herbst eine Nachmatura erwartet. "Für die wird es dann problematisch werden, noch einen Platz zu bekommen".

Vorbild Schweiz

Dass das "First come, first serve-Prinzip" nur eine absolute Notlösung darstelle, ist laut Böhm "einhellige Meinung von Studierendenvertretern und Rektorat". Aus Zeitmangel sei es nicht möglich gewesen, sinnvollere Wege zu finden. Ab September soll eine Arbeitsgruppe des Senats an einer verträglicheren Lösung arbeiten.

"So wie es jetzt aussieht, wird den Unis erlaubt werden, Zugangsbeschränkungen einzuführen", befürchtet Böhm. Als Alternative zum "First come, first serve-Prinzip" könnte ihrer Ansicht nach ein ausgefeiltes System nach dem Vorbild der Schweiz dienen, dass nicht eine einzige Aufnahmsprüfung, sondern ein Aufnahmeverfahren in sechs bis sieben Studfen vorsieht.

Von Anita Zielina
  • Artikelbild
    foto: standard/urban
Share if you care.