Unruhen in ostchinesischer Provinz Anhui

4. Juli 2005, 11:25
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Wachsende soziale Spannungen als Ursache für Massenkrawalle mit 10.000 Menschen

Peking - In der verarmten ostchinesischen Provinz Anhui ist nach Medienberichten ein Streit wegen eines Verkehrsunfalls zu Massenkrawallen eskaliert, an denen sich zeitweise bis zu 10.000 Menschen beteiligten. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, die nur äußerst selten über Unruhen in China berichtet, meldete am Mittwoch, verantwortlich für die Auschreitungen seien einige wenige Kriminelle. Sechs Polizisten seien verletzt worden. Die Kommunistische Partei befürchtet, dass derartige Vorfälle außer Kontrolle geraten könnte.

Nach Berichten von Augenzeugen begannen die Unruhen, als am Sonntag in der Stadt Chizhou ein Auto einen Jugendlichen anfuhr. Daraufhin sei es zwischen dem Fahrer und dem Jugendlichen zum Streit gekommen. Der Fahrer wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen. Daraufhin habe sich eine immer größer werdende Menschenmenge vor dem Polizeigebäude versammelt, die die Herausgabe des Fahrers forderte. Randalierer hätten das Unfallauto sowie drei Polizeifahrzeuge zerstört und einen Supermarkt geplündert. Polizisten, die gegen die Randalierer vorgehen wollten, seien mit Steinen und Feuerwerkskörper beworfen worden. Bis zum späten Abend sei es den Einsatzkräften gelungen, die Ruhe in der Stadt wieder herzustellen.

Anfang des Monats war es in der nördlichen Provinz Hebei zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden sechs Dorfbewohner, die um den Besitz von Land kämpften, getötet und fast 50 weitere verletzt. Der Partei befürchtet, dass die Chinesen künftig durch solche Unruhen ihrem Ärger über die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich sowie über die zunehmende Korruption im Land Luft machen könnten.

Vor dem Hintergrund wachsender sozialer Spannungen mit Massenentlassungen in der Staatsindustrie und einem steilen Einkommensgefälle zwischen Küstenprovinzen und Hinterland hatte die chinesische Führung 2002 eine gravierende Entscheidung getroffen. Hunderte Millionen Arbeitskräfte sollen sich frei im Lande bewegen können, um leichter Beschäftigung zu finden. Die Zahl der überschüssigen Arbeitskräfte auf dem Lande übersteigt 150 Millionen. Die enorme Zunahme der Arbeitslosigkeit als Folge der Wirtschaftsreformen hat in mehreren Teilen des bevölkerungsreichsten Landes der Welt zu Unruhen und Massenprotesten geführt. (APA/Reuters)

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    Anti-Riot-Polizei bewacht Supermarkt in Chizhou vor Plünderungen der verarmten Bevölkerung

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