Human Rights Watch wirft NATO schwere Versäumnisse vor

1. Juli 2005, 12:00
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Zehn Jahre nach Srebrenica noch keine Spur von den Drahtziehern - Mladic und Karadzic weiter auf der Flucht

Frankfurt/Main - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat der NATO schwere Versäumnisse bei der Suche nach den als Kriegsverbrecher angeklagten bosnischen Serben Ratko Mladic und Radovan Karadzic vorgeworfen. Zehn Jahre nach dem Massaker von Srebrenica befänden sich der einstige bosnisch-serbische Militärführer und der bosnisch-serbische Ex-Präsident noch immer auf freiem Fuß, kritisierte die Organisation in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Es sei bisher von NATO-Soldaten viel zu wenig unternommen worden, um die Drahtzieher der damaligen Verbrechen zu verhaften, heißt es in dem Bericht. Die Versuche könne man an einer Hand abzählen, beklagte die Leiterin der Abteilung für Europa und Zentralasien von Human Rights Watch, Holly Cartner. "Dass Karadzic ein Jahrzehnt nach Srebrenica noch immer frei herumläuft, ist ein schweres moralisches Versäumnis", erklärte sie.

Laut Human Rights Watch gab es von Seiten der NATO-Friedenstruppen in den vergangenen zehn Jahren nur drei bestätigte Versuche, Karadzic zu verhaften. Immer wieder habe die NATO behauptet, nicht zu wissen, wo sich Karadzic aufhalte, obwohl dieser angeblich oft gesehen wurde. Ähnlich soll es sich bei Mladic verhalten. Im Augenblick aber ändere sich die öffentliche Meinung in Serbien. Vor Kurzem habe ein Video die Bevölkerung schockiert, das zeige, wie serbische Soldaten vier Buben und zwei Männer in Srebrenica töteten. Human Rights Watch forderte, dass die serbische Regierung diese Dynamik ausnütze, um Mladic zu verhaften. (APA/AP)

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