Preis für Emissionszertifikate auf 23,95 Euro hinaufgeschnalzt

12. Juli 2005, 11:58
posten

Bei erster Österreich-Auktion wurden 7500 Tonnen CO gehandelt - Bisher nahmen acht Unternehmen an den Auktionen teil

Wien/Graz - Industriebetriebe und Energieversorger, die die Umwelt mit klimaschädigendem Kohlendioxid (CO) belasten, müssen künftig einen hohen Preis bezahlen. Bei der am Dienstag abgehaltenen ersten Auktion in Österreich ist ein Gegenwert von 23,95 Euro je Tonne Kohlendioxid ermittelt worden. Gehandelt wurde ein Volumen von insgesamt 7500 Tonnen.

"Der Markt entwickelt sich wesentlich dynamischer und volatiler, als wir ursprünglich angenommen haben", sagte der Vorstand der Grazer Energy Exchange Austria (EXAA), Rudolf Nießen, in einer Pressekonferenz am Dienstag.

Die EXAA, einzige Strombörse in Österreich, ist auch mit dem Handel von CO-Emissionszertifikaten betraut. Sie ist nach dem skandinavischen Nordpool, der Leipziger EEX, der von London aus gesteuerten ECX sowie der Powernext in Paris die fünfte Börse, die in Europa auf diesem Gebiet tätig wird.

Pro Tonne CO ein Zertifikat

Der Handel mit Verschmutzungsrechten ist eines der Instrumente, mit denen der CO-Ausstoß eingedämmt werden soll. Österreich hat sich im Rahmen des Kioto-Abkommens verpflichtet, seine Emissionen bis 2010 gegenüber dem Basisjahr 1990 um 13 Prozent zu senken.

Das Grundprinzip ist einfach: Anlagenbetreiber der Energie-, Metall-, Zement-, Papier- und Chemieindustrie müssen jedes Jahr bis April für die Emissionen ihrer Produktionsstätten "bezahlen". Ein Zertifikat berechtigt zum Ausstoß von einer Tonne CO. Wer nicht genügend Berechtigungen hat, kann welche zukaufen; wer weniger emittiert als geplant, kann Zertifikate verkaufen.

Prognosen daneben

Nießen verwies auf ursprüngliche Voraussagen, wonach sich der Preis je Zertifikat im Zeitraum 2005 bis 2007 bei etwa sieben Euro einpendeln werde. Zehn bis 15 Euro sollten es in der zweiten Zuteilungsperiode 2008 bis 2012 sein. Mit Preisen über 15 Euro wurde in der Zeit nach 2013 gerechnet, wenn die EU den Ausstoß klimaschädigender Gase noch stärker einschränkt - durch Ausgabe von noch weniger Zertifikaten.

Dass die Preise in relativ kurzer Zeit massiv in die Höhe geschnellt sind, liege daran, dass noch relativ wenige Unternehmen bei den Auktionen mitmachen. Auch die Tatsache, dass sich insbesondere Energieversorger zuletzt stark mit Zertifikaten eingedeckt hätten, sei eine mögliche Erklärung für den Preissprung, vermutet man in der EXAA.

Bisher acht Auktionsteilnehmer

Wegen der hitzebedingt geringen Wasserführung in Südeuropa hätten Energieversorger verstärkt thermische Kraftwerke mit entsprechend höheren CO-Emissionen hochfahren müssen. Dafür deckten sie sich nun verstärkt mit Zertifikaten ein, die sie am Ende des Tages vorweisen müssen.

In Österreich haben insgesamt 125 Unternehmen eine Gratisausstattung an Zertifikaten bekommen. An den im Wochenabstand stattfindenden Auktionen nehmen in Österreich derzeit acht Unternehmen teil; bis März nächsten Jahres sollen es 30 werden, hofft Nießen. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2005)

Share if you care.