Ullrich: "Mir laufen die Jahre weg"

18. Juli 2005, 15:49
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Der ewige Zweite Jan Ullrich geht heuer in seine letzte Auseinandersetzung mit Dauerrivalen Lance Armstrong. Er will sie gewinnen

Berlin - Wenn Jan Ullrich am 2. Juli in Fromentine beim Auftakt-Zeitfahren von der Rampe in die 92. Tour de France startet, hat er nur ein Ziel: "Lance beim letzten Duell schlagen zu können, hat mich in der Vorbereitung noch mehr angespornt. Die Tour ist schon eine tolle Sache, aber den Mann zu besiegen, der sechs Jahre dominiert hat, wäre die Krönung."

Aufräumen möchte Ullrich beim letzten Kräftemessen mit dem Amerikaner mit seinem Image des "ewigen Zweiten", des "Poulidor der Gegenwart". Vier Mal war er gegen Armstrong in Frankreich angetreten, vier Mal triumphierte am Ende der Mann aus Texas, der heuer zum letzten Mal antritt. Demütigende Niederlagen waren darunter wie 2001 in Alpe d'Huez, als Armstrong erst den schwächelnden Gegner mimte und dann Ullrich in Grund und Boden fuhr. Oder 2003, als der angeschlagene Amerikaner auf dem Schlussanstieg nach Luz-Ardiden erst stürzte und anschließend Ullrich davon radelte.

2005 soll alles anders werden. Dafür hat sich Ullrich, der Kapitän des T-Mobile-Teams, so gewissenhaft wie seit Jahren nicht mehr vorbereitet. "Ich bin 31 Jahre alt. Auch mir laufen die Jahre weg. Die Zeit ist nicht spurlos an mir vorübergegangen", sagt Ullrich, der im Vorjahr als Vierter bei seiner siebten Tour-Teilnahme erstmals das Podest verpasst hatte. Das Aufbauprogramm ähnelte dabei stark der Tour-Vorbereitung von 2003, als Ullrich - damals im Bianchi-Trikot - am Thron von Armstrong rüttelte, am Ende aber um 61 Sekunden am zweiten Gesamtsieg nach 1997 vorbeifuhr. Fünfmal wurde er Zweiter, Kritiker wie Eddy Merckx sprechen bereits von einem "verschenkten Talent".

Seine beste Leistung zeigte Ullrich stets, wenn die Erwartungshaltung in Deutschland nicht allzu groß war. 1996 etwa bei seinem Debüt an der Seite von Kapitän Bjarne Riis, 1997 natürlich beim Sieg oder 2003 bei seinem großen Comeback nach Drogenaffäre, Knieoperation und Alkoholfahrt. Ullrich, der aus Rostock kommt und in Scherzingen in der Schweiz lebt, will davon nichts wissen: "Den größten Druck mache ich mir selbst. Ich habe trainiert wie verrückt. Ich will auf jeden Fall noch einmal die Tour gewinnen." (sid - DER STANDARD PRINTAUSGABE )

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    Jan Ullrich gewann die Tour de France einmal, doch seit Lance Armstrong in Frankreich herrscht, hatte der Deutsche keinen Auftrag mehr. "Heuer", sagt Ullrich, "trainierte ich wie verrückt für den Sieg."

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