Michelin liefert Analyse zum Indy-GP

10. Juli 2005, 13:31
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Die Kurve 13 und ihr Überraschungswert: der Kombination aus Geschwindigkeit, Querbeschleunigung und Radlast hielten die Pneus nicht stand - Fans werden entschädigt

Paris - "Die penible Analyse der Grundkonstruktion und aller Materialien, die bei den für den USA-GP vorgesehenen Reifen zum Einsatz gekommen sind, ergab keinerlei Anomalien. Dafür haben die intensiven Untersuchungen im Nachhinein gezeigt: Die Belastungen, die auf den hinteren linken Reifen in Kurve 13 einwirkten, übertrafen die Erwartungen bei Weitem. Die Kombination aus gefahrener Geschwindigkeit, aufgetretener Querbeschleunigung und dynamischer Radlast rief in diesem Jahr und in dieser Kurve eine gänzlich neue Situation hervor, der die für Indianapolis ausgesuchten Reifen nicht standhalten konnten - damit steht die Ursache des Problems fest."

Unterschätzt

Das ist die Kernaussage nach Abschluss der Untersuchungen, deren Ergebnis Michelin seinen Partnerteams zukommen ließ, die sich sich wiederum heute wegen ihrer Nichtteilnahme beim Grand Prix der USA vor dem Internationalen Automobilverband (FIA) in Paris zu verantworten haben. Es handelt sich um Renault, BAR-Honda, McLaren-Mercedes, BMW-Williams, Toyota, Red-Bull-Cosworth und Sauber-Petronas. Michelin-Motorsportdirektor Pierre Dupasquier: "Wir haben die besonderen Anforderungen, die in diesem Jahr auf die Reifen in Kurve 13 des Indianapolis Motor Speedway einwirkten, unterschätzt."

Und mit folgenden Besonderheiten rechtfertigt sich Michelin: "Die Kurve 13 ist mit ihrer steilwandartigen Erhöhung einzigartig unter allen 19 Rennstrecken der aktuellen Formel-1-Saison. Testfahrten sind auf dieser Strecke nicht zulässig." Weshalb sich die Reifenfirma (wie übrigens auch Konkurrent Bridgestone, der Ferrari, Jordan-Toyota und Minardi-Cosworth ausrüstet) bei der Vorbereitung auf Indy auf Simulationen und Prognosen verlassen musste, denen Daten zugrunde lagen, die auf Rennstrecken gesammelt worden sind, auf denen die Reifen nicht den gleichen Beanspruchungen ausgesetzt werden, wie sie beim Grand Prix der USA 2005 auftraten.

Michelin ist also für eine der größeren Peinlichkeiten in der Formel-1-Geschichte verantwortlich. Im Reifenduell zwischen den Franzosen und den Japanern steht es heuer in Siegen 8:1, nur in Indy siegten Michael Schumacher und Ferrari, aber da nahm sich die Konkurrenz ja selbst aus dem Rennen. Am Sonntag und in Magny Cours steigt der GP von Frankreich. Dupasquier: "Die Asphaltoberfläche verursacht vergleichsweise hohen Reifenverschleiß. Auch wenn die lange Estoril-Rechtskurve nur etwa fünf Prozent der Rundenlänge ausmacht, so beeinflusst sie doch die Auswahl der Pneus maßgeblich. Die Laufflächenmischung muss den hohen Radlasten, die in dieser Passage über eine komplette GP-Distanz auf den Reifen einwirken, entsprechen. Ohne diese Beanspruchung könnten wir deutlich weichere Pneus einsetzen."

Geld zurück

Michelin gab auch bekannt, den rund 110.000 in Indianapolis um ein Rennen geprellten Fans ihr Eintrittsgeld zurück zu erstatten. Außerdem bot man an, 20.000 Tickets für das Rennen 2006 zu kaufen und an Zuschauer abzugeben, die heuer dabei waren. (bez - DER STANDARD PRINTAUSGABE 29.6. 2005)

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