Vier Mann und ihre Ziele

18. Juli 2005, 15:49
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Georg Totschnig, Bernhard Eisel, Gerrit Glomser und Peter Wrolich nehmen heuer die Große Schleife in Angriff

Wien - Vier Österreicher nehmen am Samstag in Fromentine an der Atlantikküste die 92. Tour de France in Angriff. Das Quartett, das in drei verschiedenen Teams engagiert ist, hat große Ziele: Georg Totschnig möchte den siebenten Gesamtrang aus dem Vorjahr verbessern und in einer Bergetappe ganz vorne landen. Bernhard Eisel kämpft als Tagessieger der Tour de Suisse im großen Kreis der Topsprinter um einen Erfolg im Massenspurt, Gerrit Glomser und Peter Wrolich wollen ihre Chance in Ausreißergruppen nützen. Wrolich hat jedoch eine Doppelrolle: Er ist der wichtigste Helfer Totschnigs, bevor es ins Hochgebirge geht.

Totschnig will in seiner siebenten Tour erneut seine Endplatzierung verbessern, die bisher beste eines Österreichers durch Peter Luttenberger - Rang fünf im Jahr 1996 - wäre ein großes Ziel. Der Etappendritte in den Pyrenäen 2004 hat in der zweiten Woche seine großen Auftritte: Da warten zunächst drei Kletter-Touren in den Alpen und nach einer Überstell-Etappe drei Abschnitte mit klassischen Pyrenäen-Pässen.

Anders als im Vorjahr hat der Gerolsteiner-Kapitän aus dem Zillertal seine Topform im Vorfeld der Tour noch nicht erreicht. Das sei aber kein Problem, meinte er, das Selbstvertrauen sei groß, die Form werde sich rechtzeitig einstellen. Auch Lance Armstrong geht heuer sieglos in seine letzte Tour.

Für Eisel wird's bald ernst

Eisel gilt als Kandidat auf den ersten Etappensieg eines Österreichers in der wichtigsten Radrundfahrt der Welt seit dem Triple von Max Bulla vor 74 Jahren. Der Steirer hat heuer schon vier Etappensiege gefeiert und sich im Kreis der Männer mit den schnellsten Beinen einen Namen gemacht. "Ein Etappensieg ist das große Ziel, ein Platz unter den Top Drei sollte möglich sein", meinte der 24-jährige aus dem Team FdJeux.com, der sich vor allem für die Etappen zwei und drei viel vorgenommen hat. Er hat in Baden Cooke (AUS) einen zweiten Topsprinter an seiner Seite, was zusätzliche Möglichkeiten für das Team eröffnet.

Vollmachten für Glomser

Glomser, im Vorjahr bei seiner zweiten Tour wegen der Folgen eines Sturzes ausgeschieden, gilt als Allrounder. Doch nach einem schweren Sturz in den USA will sich der frisch gebackene österreichische Meister in den Sprints vorerst zurückhalten:"Ein weiterer Sturz wäre das Schlechteste, was passieren könnte". In den Bergen hat er nicht die Klasse eines Totschnig. "Ich werde daher probieren, eine Fluchtgruppe zu erwischen", meinte der Salzburger, der bei Lampre-Caffita in Ermangelung eines Anwärters auf die Top Ten (die Italiener Simoni und Cunego fehlen) der Gesamtwertung viele Freiheiten genießt. "Die Mannschaft wird als Kapitän offiziell Eddy Mazzoleni führen, wobei speziell Gerrit mit Vollmachten ausgestattet wird", sagte der sportliche Leiter von Lampre Guiseppe Martinelli.

Wrolich hat mit Totschnig die Pyrenäen-Pässe besichtigt und in der ersten Woche vor allem die Aufgabe, seinem Kapitän Windschatten zu bieten und ihn aus kritischen Situationen herauszuhalten. Der Kärntner, ausgestattet mit perfektem Gespür in kniffligen Rennsituationen, sollte aber auch selbst die Chance erhalten, sich Ausreißergruppen anzuschließen. So wie bei seiner Premiere 2004, als er in der letzten Woche einmal Rang fünf belegte. (APA/red)

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