GPA empfiehlt "Privatauto-Boykott"

12. Juli 2005, 14:48
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Angestellte sollen ihren Pkw nicht mehr für Dienstfahrten nützen, wenn das Kilometergeld nicht angehoben wird - Grüne wollen "Gesamtreform"

Wien - Die Gewerkschaft droht im Streit um die Anhebung des Kilometergeldes mit einem Boykott von Dienstfahrten mit dem Privatauto. "Mehr als 60.000 Außendienstangestellte in fast allen Wirtschaftsbereichen unserer Volkswirtschaft sind nicht mehr länger bereit, die privaten Pkw zu ihrem Nachteil zu nutzen", erklärte der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft Privatangestellter (GPA), Karl Proyer, am Dienstag in einer Reaktion.

Die GPA hat für Außendienstmitarbeiter eine eigene Interessengemeinschaft eingerichtet.

Laut Autofahrerclub ÖAMTC kostet jeder Pkw-Kilometer im Durchschnitt bereits 46,2 Cent. Verglichen damit sei "das derzeitige Kilometergeld von 36 Cent fern der Realität", erklärte auch der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung Mario Rohracher. "Zeitgemäß und den gestiegenen Autokosten entsprechend muss der Satz endlich auf 45 Cent angehoben werden", fordert Rohracher.

Nach einer Umfrage des ÖAMTC beziehen von 1.000 befragten Autofahrern derzeit elf Prozent Kilometergeld. Getroffen würden durch den niedrigen Kilometergeldsatz "vor allem die Kleinverdiener, die ihr Auto beruflich nutzen müssen". Besonders viele Kilometergeld-Bezieher gebe es in Orten unter 5.000 Einwohnern, so der ÖAMTC.

Letzte Erhöhung 1997

Laut Rohracher ist eine Erhöhung des Kilometergeldes ebenso wie der Pendlerpauschale mehr als überfällig. Früher sei - um eine Art "Inflationsbereinigung" einzubauen - der Kilometergeld-Satz kontinuierlich erhöht worden, wenn seit der vorigen Erhöhung der so genannte Autokosten-Index um mehr als sieben Prozent angestiegen ist. Nach der letzten Erhöhung 1997 habe die Regierung das Kilometergeld aber de facto eingefroren, obwohl die Belastung seither enorm gestiegen sei, kritisiert der ÖAMTC-Vertreter.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass "die Regierung die Beschäftigten einmal mehr im Regen stehen" lasse. "Heute wird von Seiten der Unternehmen und der Politik von den ArbeitnehmerInnen in immer größerem Ausmaß berufliche Mobilität eingefordert. Wenn es jedoch um berechtigte Forderungen in diesem Zusammenhang geht, stoßen die Betroffenen bei der Bundesregierung auf taube Ohren", klagte Proyer.

Grüne wollen Gesamtreform

Eine "Gesamtreform" für das Kilometergeld forderten am Dienstag die Grünen. Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) müsse auch den Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel entgegen kommen. Notwendig seien "Konzepte für eine Gleichbehandlung - wie in anderen Ländern", meinte die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser. "Wer den Satz für die Öffi-Nutzung nicht anhebe, während die Auto-Nutzung finanziell attraktiver werde, habe "in der Verkehrspolitik jegliche Berechtigung verloren", so Moser. (APA)

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