Russischer Ex-Guantanamo-Häftling verklagt US-Regierung

8. Juli 2005, 16:22
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Schwere Vorwürfe gegen Wärter - Neue Schilderungen über Koran-Schändungen

Moskau - Ein früherer russischer Häftling im US-Gefangenenlager Guantanamo in Kuba hat nach eigenen Angaben Zivilklage gegen die USA eingereicht. Er wolle damit erreichen, dass die US-Regierung öffentlich seine Unschuld anerkennen müsse, sagte der im Februar 2004 gemeinsam mit sechs weiteren Russen freigelassene Airat Wakirow am Dienstag in Moskau.

Bestätigung der Unschuld

Mit der Klage will der Mann nicht auf Schadenersatz abzielen. Der Vorgang sei bereits von einem US-Zivilgericht angenommen worden, und er habe "kürzlich" eine Zeugenaussage gemacht, fügte der frühere Imam aus der Republik Tatarstan hinzu.

Wachitow verklagt nach eigenen Angaben die Regierung in Washington vor einem US-Gericht. "Es geht nicht um irgendeine Entschädigung. Ich will, dass die USA öffentlich meine Unschuld anerkennen." Selbst die Wächter in Guantanamo hätten zugegeben, dass er nichts mit der moslemischen Extremistengruppe Al-Kaida zu tun habe. Sie hätten ihn vielmehr einen russischen Geheimdienstagenten genannt.

Schwere Vorwürfe gegen Wärter

Wakirow warf den Wärtern in Guantanamo auch vor, sie hätten vor den Augen der Gefangenen "regelmäßig" den Koran in Toiletten geworfen, um die Häftlinge zu provozieren. Auch seien einige seiner Mitgefangenen "mit Gas vergiftet" worden, und Wärter hätten Hunde gegen sie gehetzt. Auf Nachfrage räumte er allerdings ein, die Koran-Schändungen nicht selbst beobachtet zu haben. Mehrere andere Häftlinge hätten ihm aber erzählt, dass Aufseher den Koran in die Toilette geworfen hätten. Er persönlich sei zudem Zeuge geworden, wie US-Soldaten in Kandahar in Afghanistan Exemplare des Korans zerrissen und in einen Eimer mit Fäkalien gesteckt hätten.

Tatsächlich hätten im Sommer 2003 etwa 300 Gefangene mit einem Hungerstreik dagegen protestiert. Die US-Regierung dagegen hatte Koran-Schändungen durch ihre Soldaten Anfang des Monats als Einzelfälle bezeichnet. Sie reagierte damit unter anderem auf später zurückgezogene Vorwürfe in der Zeitschrift "Newsweek", die massive Proteste von Moslems ausgelöst hatten.

Von Mitgliedern der radikalen islamischen Bewegung Usbekistans entführt

Der 28-Jährige erklärte, er sei von Mitgliedern der radikalen Islamischen Bewegung Usbekistans entführt und nach Afghanistan gebracht worden. Dort wurde er seiner Darstellung zufolge für 5000 Dollar als Terrorist an US-Beamte verkauft. In Guantanamo habe er 18 Monate in einer winzigen Zelle verbringen müssen. Im vergangenen Jahr sei er entlassen worden.

Die USA halten etwa 520 Gefangene aus mehr als 40 Ländern in dem Lager fest, das im Jänner 2002 eröffnet wurde. Viele sitzen dort schon seit mehr als drei Jahren ein. Bisher wurden nur vier Häftlinge angeklagt. (APA/red)

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