Frauen haben um 20 Prozent weniger Arbeitslosengeld als Männer

12. Juli 2005, 14:59
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Unter dem Ausgleichszulagen-Richtsatz von 653 Euro im Monat

Wien - Frauen beziehen um 20 Prozent weniger Arbeitslosengeld als Männer. Das zeigt eine aktuelle Statistik der Arbeiterkammer, basierenden auf den Zahlen der Statistik Austria. Demnach erhielten arbeitslose Frauen im Jahr 2004 durchschnittlich 618 Euro, Männer bezogen hingegen 770 Euro Arbeitslosengeld.

Das Arbeitslosengeld der Frauen liegt damit unter dem Ausgleichszulagen-Richtsatz von 653 Euro. Krass ist auch die Situation bei der Notstandshilfe: Männer haben 613 Euro pro Monat zur Verfügung, Frauen 481 Euro.

103.618 arbeitslose Frauen

Im Vorjahr waren 103.618 Frauen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet. Im Jahr 1999 waren hingegen 86.804 Frauen auf Arbeitssuche.

Laut Zahlen vom AMS ist das durchschnittliche Arbeitslosengeld von Frauen und Männern nominell von rund 663 Euro im Jahr 1999 auf 709 Euro 2004 gestiegen. Vor dem Hintergrund einer Preissteigerung im gleichen Zeitraum von 10,6 Prozent ergibt sich allerdings im Schnitt eine reale Senkung des Arbeitslosengeldes von 3,7 Prozent.

Das Arbeitslosengeld für Frauen ist seit 1999 stärker angestiegen als das der Männer - und zwar um 16 Prozent, bei den Männern nur um rund sieben Prozent. Darum ist der reale Verlust bei den männlichen Arbeitslosenbezieher in den Jahren 1999 bis 2004 3,8 Prozent, Frauen haben hingegen einen realen Lohngewinn um 5,4 Prozent.

Strukturelle Ursachen

Die Arbeiterkammer (AK) sieht darin vor allem strukturelle Ursachen. Frauen seien von der strikten Deckelung nicht so betroffen wie Männer. Das heißt die Nettoersatzrate von 60 Prozent beim Arbeitslosengeld greift bei Männern mehr als bei Frauen.

Auch bei der Notstandshilfe haben die Männer real mehr verloren: minus 5,3 Prozent, die Frauen minus 2,5 Prozent. Bei der Notstandshilfe gibt es seit 2001 eine Sockelung, so dass die Notstandshilfe auf den Ausgleichszulagen-Richtsatz angehoben wird - allerdings maximal auf 80 Prozent des vorher bezogenen Einkommens. Von dieser Regelung profitieren Frauen auch mehr als Männer.

Der Bezug der Notstandshilfe ist an das Partnereinkommen gekoppelt. Frauen sind deshalb vielfach von Ablehnungen ihrer Anträge betroffen: Im Jahr 2003 sind laut AK 15.124 Anträge auf Notstandshilfe aus diesem Grund nicht angenommen worden. 85 Prozent der Anträge stammten von Frauen. (APA)

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