Prater gibt sich kino-geschichtlich

5. Juli 2005, 21:47
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Open Air Kino auf der Kaiserwiese und Ausstellung im Pratermuseum kombiniert

Wien - Bereits ein halbes Jahr nach der ersten öffentlichen "Cinématographie"-Vorführung in Wien nahm 1896 im Prater ein für das Zeigen von Laufbildern adaptiertes Lokal seinen holprigen Betrieb auf. Dass die Frühgeschichte von Kino und Film in Wien eng mit der Entwicklung des Praters verbunden ist, daran erinnert in diesem Sommer ein mehrteiliges Projekt mit Open Air Kino auf der Kaiserwiese, einer Ausstellung im Pratermuseum sowie ein neues Buch und eine DVD.

"Der Prater war immer ein Ort des Kinos, und auch die Topographie und Silhouette des Praters war immer vom Kino bestimmt", schilderte Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger bei der heutigen Pressekonferenz. Mit der Vergnügungsstadt "Venedig in Wien" errichtete Gabor Steiner 1895 auf einem 50.000 Quadratmeter großen Gelände auf der heutigen Kaiserwiese "den ersten Themenpark der Welt" (Kieninger). Dort ließ er einen in Paris gekauften "Edisonoskop" aufstellen. Zwar flimmerten die Lichtbilder derart, dass die Zuseher häufig Augen- und Kopfschmerzen bekamen, dennoch begann damit ein Siegeszug: "Von diesem Zeitpunkt an war das Kino im Prater für Jahrzehnte etabliert. Aus den ersten Schaubuden entwickelten sich prächtige Filmpaläste. Der Prater war ein Gravitationszentrum der Wiener Filmkultur, das vergleichbar war mit dem Kurfürstendamm in Berlin."

Aus dem Spektakel geboren

Am Abend des 7. Juli wird das in Zusammenarbeit von Wien Museum und Filmarchiv Austria entwickelte Projekt eröffnet. "Es ist mir eine besondere Freude, dass es gelungen ist, dadurch ein Stück der Geschichte des Praters in den Prater zurückzuholen", sagte Vizebürgermeisterin Grete Laska. Sie wünscht sich ebenso wie Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos, dass für das derzeit im Planetarium untergebrachte und als Dependance des Wien Museums betriebene Pratermuseum künftig in einem historischen Gebäude im Herzen des Wurstelpraters eine neue Heimstätte gefunden werden kann. Laska hofft, dass dort auch die großen, wertvollen Bestände von Bernhard Paul gezeigt werden können.

Im Pratermuseum erinnert die Ausstellung "Prater Kino Welt - Filmvergnügen im alten Prater" unter anderem daran, "dass die Wiener Kinokultur aus dem Spektakel kommt" (Kos). Neben vielen historischen Fotos und Dokumenten ist auch das alte "Kaiserpanorama" zu besichtigen , denn "das Kino hat ja nicht erst mit dem Kino begonnen" (Kos).

Beginn mit Lokalkolorit

Auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad gibt es neben einem umfangreichen gastronomischen und musikalischen Begleitprogramm jeweils ab 21.30 Uhr bei freiem Eintritt Filme, die im oder über den Prater gedreht wurden sowie Streifen, die Vergnügungsparks zum Schauplatz haben. Als Vorprogramm gibt es an vielen Abenden Ausschnitte historischer Aufnahmen aus dem Prater, die das Filmarchiv soeben auch auf einer sehenswerten DVD (24,90 Euro) veröffentlicht hat.

Gestartet wird am 7. Juli mit der Uraufführung der restaurierten Fassung der "Pratermizzi", eines lange verschollenen Stummfilmes aus dem Jahr 1926. Als Abschlussfilm wird "Merry-Go-Round" (1922) von Erich von Stroheim gezeigt. "Er ist in der Nähe des Praters aufgewachsen, dann nach Hollywood gegangen und hat für diesen Film detailgenau 'seinen' Prater nachgebildet", schilderte Kieninger. Neben der DVD wird auch ein von Christian Dewald und Werner Michael Schwarz herausgegebenes Buch (24,90 Euro, im Package mit der DVD: 39,90 Euro) die historische "Prater Kino Welt" wiederauferstehen lassen. (APA)

Open-Air-Kino auf der Kaiserwiese: 7. bis 31. Juli, tgl. ab 18 Uhr Live-Musik, ab 20.30 Uhr DJ-Line, Filmbeginn: 21.30 Uhr

Ausstellung "Prater Kino Welt - Filmvergnügen im alten Prater" im Pratermuseum/Planetarium, 8. Juli bis 18. September, Infopoint + Filmarchiv-Shop Kaiserwiese tgl. 10-22 Uhr

Info-Hotline: 0800 808 133
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Prater bei Nacht um 1930

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