Pressestimmen: "Demokratie vs. Tyrannei im Namen einer Religion"

2. Juli 2005, 16:00
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"Der Blick wird realistischer" - "Fußtritt in Ameisenhaufen"

London/Paris/Genf - Ein Jahr nach der formalen Wiederherstellung der irakischen Souveränität befassen sich europäische Blätter am Dienstag mit der weiteren Anwesenheit amerikanischer und alliierter Streitkräfte in dem Land:

The Times

"Terroristische Anschläge lassen in den Straßen weiter das Blut fließen. (...) Man kann verstehen, dass (bei Amerikanern und Briten) die Unruhe wächst. Aber alles stehen und liegen zu lassen und wegzurennen ist keine Alternative. Die Soldaten müssen schon allein deshalb im Land bleiben, weil es um einen Stärketest geht zwischen zwei unversöhnlichen Gegensätzen - einerseits zwischen den Kräften demokratischer Übereinstimmung und andererseits der Tyrannei im Namen einer Religion. Der Irak ist zu einem Schlachtfeld geworden, das der Westen nicht verlassen kann, ohne großen Schaden anzurichten. (...) Amerikanisches und britisches Militär werden in voller Stärke und mit öffentlicher Unterstützung von daheim weiter im Irak gebraucht, bis irakische Streitkräfte stark genug sind, die von Aufständischen ausgehende Gewalt zu unterbinden."

Le Figaro

"Die Tatsache, dass die (US-)Kontakte (zu Aufständischen) von Washington zugegeben werden, zeigt eine Entwicklung in der Wahrnehmung des Irak durch die Amerikaner. Zwei Jahre nach Beginn der Erhebung in den Sunniten-Provinzen im Sommer 2003 fangen die Amerikaner an zu begreifen, dass der Rückgriff auf die Gewalt den Partisanenkrieg genauso fördert, wie er ihn auslöscht. Der Angriff der Marines auf die Islamistenhochburg Falluja im November 2004 hat die Anschläge und Morde nicht beendet. Die Operation 'Matador' in den Wüsten im Nordwestirak und entlang der Einfallwege der Guerilla durch die syrische Grenze wirkt im Ergebnis wie ein Fußtritt in einen Ameisenhaufen. Die Operation 'Blitz' zur Zerschlagung der Netze der Aufständischen in Bagdad hat den Anschlägen bis ins Zentrum der Hauptstadt auch kein Ende gesetzt. Diese Fähigkeit der irakischen Aufständischen, sich nach jedem Militärschlag zu regenerieren, steht zweifellos am Ursprung einer realistischeren Sicht der Amerikaner auf die Guerilla."

Tages-Anzeiger, Zürich

"Öl ist heiss, ganz heiss. Der nur begrenzt verfügbare Rohstoff, auf dem der Wohlstand der westlichen Welt aufbaut, bewegt die Märkte und auch viele Politiker, gerade in Washington. Anders als in den 70er-Jahren mit ihrem gewaltigen, aber vorübergehenden Preisschock deutet derzeit vieles auf einen anhaltenden Kampf um die letzten verfügbaren Reserven hin. (...) Spezialisierte Banker und Ökonomen glauben, dass der Zenit der weltweiten Ölförderung spätestens 2010 erreicht wird, vielleicht aber schon früher. Klar ist: Öl wird zum knappen Gut. Diese Perspektive und die Einsicht, dass die USA keine nachhaltige Energiepolitik verfolgen, bewegen die Märkte. Die Zeit der tiefen Ölpreise ist für immer vorbei." (APA/dpa)

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