Bildungsministerium prüft neue Erziehungsmittel

8. November 2005, 13:28
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Keine Freude bei SPÖ - Max Friedrich: "Unsinn"

Wien - Das Bildungsministerium prüft die von ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon vorgeschlagenen neuen Erziehungsmittel für Lehrer. Dies bestätigten Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) bzw. Ministeriums-Generalsekretär Hermann Helm in der "Kleinen Zeitung" bzw. in der "Presse" (Dienstag-Ausgabe).

"In kleinen Gruppen behandeln"

Zwar würden die Fälle körperlicher Gewalt an Schulen nicht häufiger, so Gehrer, "aber die Folgen werden immer schlimmer". Daher werde darüber nachgedacht, welche Erziehungsmittel Lehrer haben sollten: "Das reicht von einer Verwarnung über Gespräche mit den Eltern bis hin zum Klassenausschluss, natürlich unter Aufsicht."

Wenn alles nichts helfe, müsse man auf Psychologen und Berater zurückgreifen. Gute Ergebnisse mache man in Vorarlberg, "wo Schüler mit großen Problemen in kleinen Gruppen behandelt werden". In vielen Fällen gingen die Jugendlichen nach diesen Gruppenerfahrungen wieder in ihre Klassen zurück.

SPÖ "sehr wachsam"

"Keine Freude" bereitet SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser, "dass die ÖVP offensichtlich denkt, das Thema Ganztagsschule und qualitätsvolle Nachmittagsbetreuung hinreichend behandelt zu haben und nun lieber Disziplinierungsmaßnahmen für Schüler angehen möchte". "Auch wenn sich die ÖVP noch bedeckt hält, wir sind sehr wachsam, wenn jemand Sanktionen für Schüler und neue Erziehungsmittel für Lehrer ankündigt", betonte Niederwieser in einer Aussendung.

Die SPÖ setze beim Thema Gewalt an Schulen auf verstärkte Unterstützung wie Mentoring und Supervision für Lehrer, Mediation zum Thema Konfliktbewältigung für Schüler sowie die Unterstützung von spezialisierten Fachleuten.

"Hat keinen Sinn"

Als "Unsinn" bezeichnet Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters am AKH Wien, die Debatte um neue Rechte und Pflichten von Schülern in der Schulordnung in der "Presse": "Es hat keinen Sinn, wieder irgendwelche Vereinbarungen zu treffen, statt das System Schule zu verändern und nach den Gründen zu fragen, warum wir dort mehr Zucht und Ordnung brauchen".

Gewalt als Imitiationslernen

"Urcool" sein und die Bedürfnisse der anderen nicht mehr wahrnehmen zu wollen, sei ein Trend, den Friedrich auf das so genannte Imitationslernen zurückführt: "Wir leben in einer Welle von Gewalt - körperlich, wenn wir die Kriegsberichte vor Augen haben, und intellektuell, wenn wir an die sprachliche Verrohung denken."

Auch die emotionale Kälte in Familie und Gesellschaft steige. Um dem entgegenzuwirken, müsse die Schule zu einer "Arbeits-, Erlebnis- und Verwaltungsgemeinschaft" werden - in der auch das Lernen gelernt wird, "statt dass man Rohmaterial vorgibt, es außerhäuslich bearbeiten lässt und die Schüler zur Prüfung wieder hereinkommen lässt". (APA)

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