Vorsorgeuntersuchung neu startet in Westösterreich

2. Juli 2005, 11:36
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Einladung, Mammographie und Koloskopie - Bisher zu geringe Beteiligung - Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

Das Programm hat das Zeug in sich, am Gesundheitszustand der Österreicher insgesamt etwas zum Positiven zu verändern: Die "Vorsorgeuntersuchung neu" bringt merhrere Neuerungen. Erstmals wird es Einladungsbriefe für jeden Krankenversicherten, die Erstellung eines "Risikoprofils" sowie detaillierte Cholesterintests, Mammographien und Dickdarmspiegelungen geben. Das Programm starten am ersten Juli in Tirol und Vorarlberg und im Herbst im Rest Österreichs.

"Unser Ziel war es, die Vorsorgeuntersuchung auf den neuesten Stand zu bringen und allen Menschen Zugang zu verschaffen", sagte die Ministerin. Bisher ist die kostenlose jährliche Gesundenuntersuchung mit rund 28 Prozent Beteiligung in Westösterreich und weniger als 15 Prozent in Wien und Niederösterreich nicht zufrieden stellend gewesen.

Es werden im zweijährigen Intervall alle Menschen über 40 und im dreijährigen alle Menschen unter 40 zu der Untersuchung eingeladen werden." Möglich ist der "Check-Up" aber kostenlos jährlich für alle Krankenversicherten ab dem 18. Lebensjahr (bisher ab dem 19.).

Die wichtigsten Neuerungen

- Bestimmung eines Gesamt-Risikoprofils (Lebensstil) durch den Arzt
- Neben Messung des Gesamtcholesterins auch Messung von "gutem" HDL-Cholesterin sowie der Triglyceride
- Ab 40 alle zwei Jahre eine Mammographie für die Frauen
- Ab 50 alle zehn Jahre eine Darmspiegelung, mit der laut Experten
90 und mehr Prozent aller Dickdarmkarzinome rechtzeitig erkannt werden könnten.
- Ab 18 Pap-Abstrich für Frauen (Gebärmutterhalskrebs)
- Für Männer Urologie-Angebot (z.B. Prostatakarzinom-Früherkennung)
- Ab 65 gezielte, einfache Untersuchungen bezüglich des Hör- und Sehvermögens

Beratungsgespräch

Wesentlich ist auch ein gezieltes Beratungsgespräch durch den Arzt. Für die Basisuntersuchung wird er 75 Euro erhalten. Die Spezialtests werden extra honoriert. In ganz Österreich soll das System mit dem vierten Quartal 2005 starten. Erich Laminger, Vorsitzender des Verbandsvorstandes der österreichischen Sozialversicherungsträger: "Die Österreicher sollen bei guter Gesundheit länger leben. (...) Wenn mittelfristig der Sozialversicherung etwa zwei Prozent fehlen, würde ich sagen, dass bei einem Greifen des Programms es uns in die Lage versetzen müsste, 'pari' zu sein." Früherkennung und Vorsorge spare auch Krankheitskosten.

Hauptverband-Generaldirektor Josef Probst: "Wir bieten in Österreich das für Europa modernste und flächendeckendste Programm auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge an."

Verbesserte Vorsorge bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dr. Josef Pruckner, Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte Österreichs in der Ärztekammer, betonte, dass man mit dem neuen Programm vor allem bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine verbesserte Vorsorge erreichen werde können. Es ließe sich auch abschätzen, wie sehr die Menschen selbst mit ihrem Lebensstil beitragen würden.

Allerdings, die Honorarverhandlungen bezüglicher Koloskopie (Darmspiegelung) sind noch nicht abgeschlossen. Vor kurzem haben führende österreichische Gynäkologen deutliche Kritik an einem anderen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge in Österreich geäußert. Laut dem Vorstand der Universitäts-Frauenklinik in Wien (AKH), Univ.-Prof. Dr. Peter Husslein, entsprechen die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen während der Schwangerschaft seit Jahren nicht mehr dem Stand des Wissens. Hier geht es vor allem um frühe Ultraschalluntersuchungen bei den Schwangeren. (APA)

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