Wenn Schüler zu wenig werden

22. März 2006, 16:06
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Dann heißt es für Lehrer warten - derzeit sind 3375 vorgemerkt

Wien - Der Wunsch, Lehrer zu werden, ist unverändert verbreitet, die Dienstposten sind es nicht. Und die Kinder werden auch immer weniger. Die Volksschullehrer sind die Ersten, die die sinkende Geburtenrate spüren: Jährlich nimmt die Zahl der Taferlklassler ab - diesen Herbst werden rund 2800 Kinder weniger mit der Schule beginnen als im Jahr zuvor, so die Prognose der Landesschulräte nach einem Rundruf des STANDARD.

Da der Bund pro 14,5 Volksschüler einen Lehrer zahlt, bedeuten weniger Schüler weniger Stellen und somit lange Wartelisten für Lehrer: Derzeit sind 3375 Bewerbungen für die Anstellung als Volksschullehrer österreichweit vorgemerkt. Mehrfachanmeldungen sind erlaubt (Grafik).

Wie die Liste der Wartenden aber abgebaut werden soll, ist offen: In ganz Österreich gibt es im Herbst voraussichtlich nur ein einziges Bundesland, das neue Lehrer einstellt: In Vorarlberg wird es 15 Einstellungen geben. Im Gegensatz dazu werden etwa in Kärnten bis zum Herbst 117 Dienstposten abgebaut. Der Postenabbau geschieht dabei nicht über Entlassungen: Verträge jüngerer Lehrer werden meist nicht verlängert und verwaiste Posten pensionierter Lehrer nicht nachbesetzt.

Verlockende Pädaks

Und trotzdem: Die Pädagogischen Akademien (Pädaks) sind weiterhin bei den Maturanten beliebt. 2004 durchliefen 2826 Personen die Ausbildung zum Volksschullehrer - 123 mehr als im Jahr zuvor. Ein Trend nach oben? "Es ist keine Bewegung erkennbar, die stark in die eine oder andere Richtung deutet", meint Dagmar Hackl aus dem Bildungsministerium. Die Ausbildung sei auch deswegen interessant, da sie "gute Chancen, mehr als nur das Lehramt erlernt zu haben", biete - eine gute Voraussetzung für den Umstieg oder die Wartezeit.

Wie lange schätzen die Landesschulräte die Wartezeit für Pädak-Absolventen?

Fünf Jahre Hoffen

Darauf antworten sie oft zögerlich und meist mit einem "Wenn" - so zum Beispiel der Niederösterreichische Landesschulrat. Bei gleich bleibenden Umständen müsste man mit einem Mittelwert von fünf Jahren rechnen, hieß es dort. Vier Jahre Wartezeit erwartet man in Oberösterreich. Und auch in anderen Bundesländern sind die Zahlen ähnlich - ausgenommen Vorarlberg. Dass dort überhaupt 20 Pädak-Absolventen warten müssen, ist eine Neuheit.

Ändern sich keine Rahmenbedingungen, wird die Warteliste weiterwachsen: Während die Statistik Austria heuer 82.149 schulpflichtige Kinder zählt, schätzt sie für 2010 nur noch 79.431 Sechsjährige. (DER STANDARD-Printausgabe, 28.6.2005)

Von Ingrid Brodnig
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