Bauer zügelt seinen Ärger: "Totgesagte leben länger"

7. Juli 2005, 13:27
posten

Springreiten: Steirer weiter im Pech, als Meister ohne EM-Chance

Wien - "Ich wurde nie gefragt. Natürlich mache ich mir Hoffnungen. Aber wenn sie mich nicht braucht, braucht sie mich nicht." Sagt er. "Er hat keine internationale Qualifikation, er muss aufs nächste Jahr hoffen." Sagt sie.

Mit der Kommunikation zwischen dem Springreiter Anton Martin Bauer, der am Wochenende seinen sechsten Staatsmeistertitel holte, und Gabriele Morbitzer, der im Verband für die Springreiterei zuständigen Referentin, ist es nicht zum Besten bestellt. Die EM jedenfalls, die Mitte Juli in San Patrignano (Italien) steigt, ist laut Morbitzer für Bauer kein Thema. Sie hat einen Kader mit sechs Reitern (Puck, Ötschmaier, Raskin, Köfler, Pichler, Krackow) und einer Reiterin (Seeburger-Schranz) erstellt, aus dem schließlich das fünfköpfige EM-Team hervorgehen wird.

Bauer (41) bleibt, wie's scheint, vom Pech verfolgt. Im April waren bei einem Verkehrsunfall seine Spitzenpferde Remus Racing und Coconut Kiss ums Leben gekommen, der Steirer stand "vor einem Scherbenhaufen. Ich hab geglaubt, es ist vorbei mit der Reiterei. Aber ich kann ja nichts anderes. Und irgendwie geht's immer weiter." Und es ging gar nicht schlecht.

Der Steirer holte seinen 16-jährigen Remus First in Seconds quasi von der Weide zurück, gewann auf Anhieb Anfang Mai das Österreichische Derby, gewann den sechsten Meistertitel. Von Morbitzer fühlt sich Bauer nicht fair behandelt - er sei bei Nominierungen übergangen worden. "Ich hatte keine Chance, international etwas zu derreiten. Aber jeder weiß, dass das Ross und ich genug Routine haben. Und jetzt hat jeder gesehen, dass das Ross auch fit ist."

Morbitzer sagt, sie könne Bauer beim besten Willen nicht nominieren. Würde sie es tun, würde sich der internationale Verband (FEI) quer legen. "Der Martin ist mir sehr wichtig", betont sie, "er ist ein absoluter Kämpfer und ein toller Mannschaftsreiter. Nach der EM finden etliche große Turniere statt, da wird er sicher wieder zum Einsatz kommen." Bauer indes will seinen "eigenen Weg gehen", will seine "Pferde fit halten". Denn: "Totgesagte leben länger." (fri, DER STANDARD Printausgabe 28. Juli 2005)

  • Anton Martin Bauer.

    Anton Martin Bauer.

Share if you care.