Salzburgs dritter Startversuch

7. Juli 2005, 13:26
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Die Stadt Salzburg wird sich erneut um die Aus­tragung der Winterspiele bewerben - Bund und Land sagten Über­nahme von Haftungen zu

Salzburg - "Das Risiko für die Stadt ist überschaubar, die Chancen unübersehbar", meint Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SP). Er wird nach dem Olympia-Gipfel am Montag dem Gemeinderat am 6. Juli vorschlagen, einer Kandidatur für 2014 zuzustimmen. Angesichts der deutlichen Mehrheit von SP und VP steht damit der dritten Olympiabewerbung Salzburgs nichts mehr im Weg. Ausschlaggebend für den erneuten Anlauf waren Finanzzusagen und Haftungserklärungen von Bund und Land.

Zwischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP), Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) und Schaden wurde vereinbart, dass im Falle eines Defizits der Spiele zuerst das Stammkapital der Durchführungsgesellschaft eingesetzt wird; darüber hinaus werden Bund und Land je 40 Prozent abdecken. Je zehn Prozent müssten die Stadt Salzburg und die durchführenden Gemeinden der Skiwelt Amadé im Pongau übernehmen. Die zur Durchführung der Spiele notwendigen Investitionen sollen zwischen Bund, Land und Gemeinden gedrittelt werden.

Auch die Finanzierung der 100 Millionen Euro an Stammkapital für die Durchführungsgesellschaft steht. 49,9 Prozent kommen vom Bund, 29,1 vom Land und je zehn Prozent von der Stadt und den anderen Durchführungsgemeinden; ein Prozent bleibt dem Österreichischen Olympischen Komitee. Das alles natürlich vorausgesetzt, Salzburg erhält bei der Tagung des Internationalen Olympischen Komitees Mitte 2007 in Guatemala den Zuschlag für 2014.

Die Kosten der Bewerbung gibt Schüssel mit 7,1 Millionen Euro an. Je 1,2 Millionen zahlen Bund, Land und Stadt; 1,5 Millionen kommen von den Gemeinden aus dem Pongau. Der Rest soll über Sponsoren aufgebracht werden.

Schaden hofft mit den Abkommen vom Olympia-Gipfel die Mehrheit der Gegner überzeugt zu haben. Bei den zwei Bürgerbefragungen im Frühjahr sprachen sich ja rund 60 Prozent in der Stadt gegen eine neuerliche Bewerbung aus. Für das Nein wären vor allem die Sorgen um die Finanzierbarkeit verantwortlich gewesen, so Schaden in Bezug auf eine nicht näher erläuterte "Umfrage der Sozialpartner". Mit dem Haftungsabkommen habe man "mit Brief und Siegel" versichert, die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen.

Die Olympiakritiker sehen das naturgemäß anders. Die parteifreie Gemeinderätin Elisabeth Promegger - sie hat mit einer Unterschriftenaktion die Bürgerbefragung in der Stadt erzwungen - hält das Ignorieren des Befragungsergebnisses für "demokratiepolitisch bedenklich". Ähnlich auch Bürgerliste und Grüne: Es sei "völlig inakzeptabel", die Bewerbung "gegen den erklärten Willen der Bevölkerung durchzudrücken". Sie fordern eine verbindliche Bürgerabstimmung. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 28. Juli 2005)

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    Bundeskanzler Wolfgang Schuessel, Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und der Buergermeister der Stadt Salzburg Heinz Schaden, von links, am Montag beim Olympia-Gipfel im Schloss Mirabell.

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