Arbeitsfalle Kinderkarenz schnappt immer häufiger zu

12. Juli 2005, 15:02
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Immer mehr Frauen arbeiten nach der Karenz als Teilzeitkraft oder werden arbeitslos - Schuld sind laut ÖGB Mangel an Information und Kindertagesstätten - Mit Infografik

Wien - Immer prekärer wird die Arbeitsmarktlage für Frauen. Im Mai ist die Frauenarbeitslosigkeit gegenüber 2004 um 5,1 Prozent gestiegen. Besserung ist keine in Sicht.

Die jüngsten Zahlen hat die Vizepräsidentin des Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Renate Csörgits, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

Besonders schwer haben es demnach Frauen, die nach der Kinderkarenz wieder in ihren Beruf einsteigen wollen: Bestenfalls finden sie Teilzeitjobs. Von 1,5 Mio. berufstätigen Frauen arbeiten derzeit 635.300 als Teilzeitkraft, das entspricht bereits 42,5 Prozent.

Unfreiwillige Teilzeit

Viele Frauen hätten das Problem, den Wiedereinstieg nach der Karenz gar nicht mehr zu schaffen, andere würden laut Csörgits "in die Teilzeitbeschäftigung gedrängt. Die eine oder andere Frau wünscht sich das, um Familie und Beruf zu vereinen. Aber viele machen das nicht freiwillig", so Csörgits.

Zudem ist sie der Auffassung, dass die Arbeitslosigkeit derzeit "nur verwaltet wird". Zur aktiven Bekämpfung der Arbeitslosigkeit müssten mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden; zudem gelte es, die Frauen von den Folgen der Teilzeitbeschäftigung auf ihre Pensionen zu informieren.

Ein besonderes Problem stellt für die Frauenvorsitzende des ÖGB, Christine Gubitzer, der Mangel an Kinderbetreuungsstätten für Kleinkinder dar. In Österreich liegt die Betreuungsquote der unter Dreijährigen bei elf Prozent, damit liegt Österreich im EU-Vergleich im letzten Drittel.

Baby und Bildung

Erhöhte Aufmerksamkeit solle auch auf die Information werdender Eltern gerichtet werden. Die sozialdemokratische Gewerkschafterin Erika Nussgraber-Schnabel kritisierte, dass nur die Hälfte der Frauen über die Dauer des Kündigungsschutzes während der Karenz (zwei Jahre) Bescheid wüssten.

Um den Wiedereinstieg für die Zeit danach zu erleichtern, sollten auch die Voraussetzungen für Bildungskarenz gelockert und Weiterbildung bereits während der Karenz stärker beworben werden. (Bettina PfeifferDER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.06.2005)

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    Nach der Karenz müssen es Frauen immer billiger geben. Immer mehr von ihnen landen beim Wiedereinstieg in Teilzeitjobs - oder auf dem Arbeitsamt.

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