Vindobona: Eine "Sanierung" und viele Fragen

4. Juli 2005, 23:00
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Umstritten: Der Ausbau der Kabarettbühne soll üppig subventioniert werden

Wien - Das Vindobona, ein florierender Gastronomiebetrieb samt Kabarettbühne im Keller, soll nicht nur saniert, sondern auch ausgebaut werden: Der Betreiber, eine gewinnorientierte GmbH, will unter anderem einen Shop, eine neue Küche und zwei weitere Säle einrichten. Er stellte daher ein Förderansuchen - und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) zeigt sich spendabel: Im März 2004 wurden 350.000 Euro gewährt - aus dem Kulturbudget. Am 30. Juni soll der Gemeinderat noch einer zweiten Tranche (eine Million Euro) zustimmen.

Marie Ringler, Kultursprecherin der Grünen, richtete nun eine Anfrage an Mailath mit insgesamt 50 Punkten. Denn laut den Unterlagen soll der Ausbau dazu dienen, jährlich einen zusätzlichen Gewinn von rund 100.000 Euro vor Steuern zu erwirtschaften. Ringler fragt daher: "Wie sind Gewinne einer GmbH mit der für die Erlangung von Kultursubventionen notwendigen Gemeinnützigkeit vereinbar?"

Zudem fielen ihr zahlreiche Fehler und Ungereimtheiten auf. Ein Beispiel: Das Kulturamt datierte seinen Akt an den Gemeinderat mit 24. Mai 2005. Darin heißt es, dass die Kosten für den Ausbau von 3,72 Millionen Euro auf deren 2,1 Millionen hätten reduziert werden können. Woher wusste dies das Kulturamt? Wolfgang Gratzl, der Leiter des Vindobona, stellte sein Förderansuchen doch erst einen Tag später, am 25. Mai 2005. Und sonderbarerweise hat das konsultierte Baubüro die Kosten über die besagten 2,1 Millionen Euro (u. a. 28.000 Euro für die Kücheneinrichtung) erst am 27. Mai erstellt.

Dazu kommt, dass die Größen der geplanten Kabarettbühnen variieren. Einmal wird der neue, zweite Veranstaltungsraum mit 120 Sitzplätzen angegeben, ein andermal mit 150 Sitzplätzen. Einmal soll die Studiobühne bis zu 40 Personen Platz bieten, ein andermal 50 Personen. Daher. Oder: In Gratzls Konzept wird die durchschnittliche Auslastung einmal mit 60 Prozent (70.000 Zuschauer), einmal mit 65 Prozent (75.000 Zuschauer) angegeben.

Ringler will auch wissen, ob eine Ausschreibung vorgenommen wurde: "Liegen auch von anderen Unternehmen Kostenschätzungen auf? Wie erfolgte die Entscheidung für das den Umbau vorzunehmende Unternehmen? Wurde die Kostenkalkulation von der zuständigen Magistratsabteilung 25 geprüft? Wenn ja, wann? Und wie lautet deren Stellungnahme? Ringler zum STANDARD: "Ohne eine weitere Prüfung ist es fahrlässig, derart viel Steuergeld zu vergeben." Sie fordert von Mailath, dass er angesichts der Ungereimtheiten von einer Finanzierung Abstand nimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.06.2005)

Von Thomas Trenkler
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