Kopf des Tages: Cécilia Sarkozy

1. Juli 2005, 12:02
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In Wahrheit dreht sich alles um Cécilia

Ist Cécilia an allem schuld? Wenn Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy in der Öffentlichkeit die Nerven verliert oder die Tränen zurückhalten muss, wenn er rechtsextreme Sprüche klopft – ja, ist dann seine Gattin schuld? Cécilia Sarkozy war in den französischen Medien noch nie so selten zu sehen wie heute, doch in Wahrheit dreht sich alles um sie. Um sie beide, besser gesagt.

Kürzlich musste Nicolas Sarkozy im Fernsehen mit Grabesstimme einräumen, dass seine Frau und er Eheprobleme hätten. Das komme in den besten Familien vor, fügte er an. Aber die Franzosen interessieren sich für die Sarkozys nicht nur deshalb, weil Nicolas der Favorit für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2007 in Frankreich ist.

Die Sarkozys waren in den letzten Jahren eines der meistfotografierten und -gefilmten Paare Frankreichs gewesen. Kaum eine Woche verging, ohne dass Illustrierte wie Paris- Match das Paar beim Kochen, im Privatjet oder in ihren ministeriellen Büros zeigte. Cécilia war zuerst informelle, aber umso einflussreichere "Beraterin", später formelle Kabinettschefin ihres Ministergat 2. Spalte ten. Sie nannten ihre Beziehung selbst "fusionell": Wenn er einmal ohne sie verreiste, blieb er fast ständig in telefonischem Kontakt.

Bis zum Clash. "Eheprobleme" nannte Nicolas, was in Wahrheit eine Staatsaffäre ist. Gewiss drehen sich viele Fragen um die amourösen Details: Brannte die 47-jährige Cécilia von sich aus mit einem jüngeren Kommunikationsberater durch oder geschah das, weil ihr Mann selbst seine südfranzösische Geliebte aufsuchte, anstatt joggen zu gehen, wie er behauptete? Leben sie getrennt, haben sie bereits einen Scheidungsrichter aufgesucht? War es pure Inszenierung oder richtige Wiederversöhnung, als die Sarkozys Ende Mai bei der Volksabstimmung über die EU-Verfassung gemeinsam ins Wahllokal kamen?

Sicher ist derzeit nur eines: Cécilia ist nicht mehr Kabinettschefin ihres Mannes in der UMP, der von Sarkozy geleiteten Regierungspartei. Der Präsidentschaftskandidat hat damit mehr als nur eine Frau an seiner politischen Seite verloren: Seine ganze persönliche, politische und mediale Strategie bis zu den Wahlen in zwei Jahren ist damit gefährdet. Die temperamentvolle und ehrgeizige Cécilia vermittelte ihm Sicherheit, wenn er sich mit mächtigen Widersachern wie Staatschef Jacques Chirac (ebenfalls UMP) anlegen musste.

Doch jetzt fehlt ihm Cécilias Rückendeckung. Schlimmer noch: Seit einer Woche schießt der innerlich gestresste Minister immer wieder über das Ziel hinaus und macht sich Feinde. Cécilia hat sich aber bis jetzt offenbar nicht erweichen lassen: Die sonst so auf die Medien erpichte Gattin zeigt sich immer noch nicht an der Seite ihres Mannes. (Stefan Brändle/DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Ehepaar Sarkozy

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