Ölpreis klettert weiter, Diesel kaum noch billiger als Benzin

1. Juli 2005, 16:48
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Der Ölpreis nimmt Kurs auf 61 Dollar - Ökonomen warnen vor negativen Auswirkungen auf die Konjunktur

Wien - Nach dem Durchbrechen der 60-Dollar-Marke in der Vorwoche testen die internationalen Rohölmärkte bereits die 61 Dollar. Am Montag ist der Preis für ein Fass (159 Liter) der Sorte Light Sweet Crude in New York zwischenzeitlich auf 60,64 Dollar (49,86 Euro) hinauf geschossen, das ist der höchste Wert seit Beginn der Notierungen vor 22 Jahren.

Am Dienstag entspannte sich die Lage wieder etwas. Der Preis je Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI verharrte aber im Morgenhandel deutlich über der psychologisch wichtigen Marke von 60 Dollar bei 60,39 Dollar.

Auch der Preis für die in Europa maßgebliche Nordseesorte Brent zur Lieferung im August markierte mit 59,04 Dollar je Fass einen Rekord.

Sorgen um den Nachschub

Als Grund für den ungebremsten Anstieg der Rohölpreise nannten Analysten Sorgen um den Nachschub in der bevorstehenden Winterjahreshälfte. Außerdem gibt es Bedenken wegen des Wahlsiegs des Ultrakonservativen Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentschaftswahl im wichtigen Ölförderland Iran.

Die Treibstoffpreise, die in der Vorwoche ebenfalls neue Rekordmarken erreicht haben, dürften nach Einschätzung der Mineralölbranche schon bald noch teurer werden.

Insbesondere der Preis für Diesel ist kräftig in die Höhe geschnellt - im Juni-Vergleich um 17 Prozent oder knapp 14 Cent, wie die Arbeiterkammer (AK) errechnet hat. Im Vergleich dazu hat sich der Liter Eurosuper (95 Oktan), meistgetankte Benzinsorte in Österreich, von Juni 2004 bis Juni dieses Jahres um drei Prozent verteuert.

Ungleiche Steuersätze

Die Abgabepreise für Diesel und Benzin haben sich in den vergangenen Jahren deutlich angenähert. Machte die Differenz zwischen den durchschnittlichen Eurosuper- und Dieselpreisen im vergangenen Juni noch 1,85 Cent je Liter aus, sind es jetzt nur mehr durchschnittlich 0,82 Cent, die ein Autofahrer für seinen "Benziner" mehr zahlen muss pro Liter als ein Dieselfahrer. "Bei gleichen Steuersätzen wäre Diesel jetzt schon teurer als Benzin", sagte AK-Treibstoffexpertin Dorothea Herzele dem STANDARD.

Während pro Liter Diesel 30,2 Cent Mineralölsteuer fällig werden, sind es bei Benzin 41,7 Cent. Dazu kommt noch 20 Prozent Mehrwertsteuer. Knapp die Hälfte des Pkw-Bestands in Österreich sind Dieselfahrzeuge, bei den Neuzulassungen liegt der Dieselanteil bei mehr als 70 Prozent.

Uneinheitliches Bild

Österreich bietet ein uneinheitliches Bild. In Ostösterreich ist tanken billiger, bei Diskontern tankt sich's nach AK-Recherchen günstiger als bei Markentankstellen.

Das wurde dem STANDARD auch beim ARBÖ bestätigt, wo man einen deutlichen Anstieg der Zugriffe auf die mit der Homepage verlinkte Spritpreisbörse registriert hat. Mit einem Klick können die günstigsten Tankstellen je Bundesland abgerufen werden. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.06.2005)

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    Die Sorge um den Nachschub treibt den Öl-Preis auf neue Rekordhöhe.

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