Tsunami-Gefahr auch im Mittelmeer groß

5. Juli 2005, 12:51
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Seismologen fordern Vorwarnsystem: 150 große Flutwellen seit dem Altertum und 40 Tsunamis zwischen 1801 und 1956

Athen - Das verheerende Beben und die Flutwellen in Südasien haben auch die Seismologen im Mittelmeerraum in Alarmbereitschaft versetzt. "Ein Vorwarnsystem ist absolut notwendig", sagte der griechische Seismologe, Gerasimos Papadopoulos, dem griechischen Nachrichtensender SKAI, am Montag. Auch im Mittelmeer, an dessen Küsten jährlich rund 30 Millionen Touristen ihren Urlaub verbringen, sei ein Tsunami möglich. Dies bestätigten Geologen und Seismologen aus 15 Mittelmeer-Anrainerstaaten während eines Seminars in der kretischen Hafenstadt Chania, hieß es weiter.

150 große Flutwellen seit dem Altertum

Nach den Worten des Seismologen sind seit dem Altertum im Mittelmeer rund 150 größere Flutwellen registriert worden. Flutwellen wie in Südasien seien jedoch am Mittelmeer unwahrscheinlich, sagte Papadopoulos weiter. Das Mittelmeer sei ein geschlossenes Meer, erläuterte der Fachmann. Die Flutwellen seien in der Regel kleiner. Doch da gebe es auch ein Problem: Wegen der Nähe der Küsten mit dem Seebebenzentrum, gibt es wenig Zeit für eine Warnung. Die Flutwelle eines Seebebens im Mittelmeer braucht nur wenige Minuten, um die nächstgelegene Küste zu erreichen, hieß es.

Besonders griechische Küsten gefährdet

Nach Angaben griechischer Seismologen besteht vor allem für die Nordküste Kretas, den Golf von Korinth, die Südspitze der Halbinsel Peloponnes und die Küsten der Kykladeninseln Gefahr durch Flutwellen. Weitere gefährdete Regionen befänden sich im Süden Italiens und Teile der Mittelmeerküsten Frankreichs und Spaniens.

Rund 90 Prozent der Erdbeben Europas ereignen sich nach Angaben griechischer Experten im Raum um das Ägäische Meer, wo die afrikanische und die europäische Erdplatten aufeinender träfen. Seit 1964 wurden in diesem Gebiet nach Angaben des Seismologischen Instituts der Hafenstadt Patras rund 20 000 Erdbeben registriert.

40 Tsunamis zwischen 1801 und 1956

Der griechische Geologe Giorgos Pararas zählte zwischen 1801 und 1956 rund 40 Tsunamis verschiedener Stärken im Mittelmeer. Einer davon hatte am 9. Juli 1956 die Küste der Kykladeninsel Amorgos verwüstet und 53 Menschen getötet. Damals war ein Seebeben in der Ägäis der Stärke 7,8 auf der Richterskala gemessen worden. Die anschließende Flutwelle war nach Angaben von Augenzeugen in Amorgos 20 Meter hoch.

Schon in der Antike hatten Seebeben und Vulkanausbrüche Flutwellen im Mittelmeerraum ausgelöst. Nach einem Ausbruch des Vulkans Thera der Kykladeninsel Santorin wurde im Jahre 1628 v. Chr. die Minoische Kultur auf der Insel Kreta zerstört. Die Flutwellen nach einem weiteren Vulkanausbruch auf Santorini im Jahr 365 v.Chr. erreichten sogar die Küste Alexandriens in Nordafrika, die rund 500 Kilometer entfernt liegt. (APA/dpa)

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