Unsicherheit nach Iran-Wahl könnte Ölpreis weiter treiben

7. Juli 2005, 09:09
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Deutscher Industrie- und Handelskammertag spricht von "zentralem Konjunkturhandicap" - Wirtschaftswachstum erheblich gedämpft

Frankfurt - Die Unsicherheit über die Politik des künftigen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad könnte nach Einschätzung von Experten den Ölpreis weiter nach oben treiben und damit die Aktienmärkte belasten.

"Sollten die Europäische Union und der Iran nicht zu einer Übereinkunft über das Atomprogramm kommen, könnte dies dazu führen, dass die USA wieder stärker militärisch drohen würden", sagte Tammo Greetfeld, Aktienstratege bei der HVB. "Die Furcht vor einer militärischen Auseinandersetzung könnte den Ölpreis treiben und damit den Aktienmarkt belasten. Der Ölpreis ist die Achillesferse des Aktienmarktes." Wichtig für den Markt sei nun, dass die Verhandlungen über das Atomprogramm konstruktiv weiter geführt würden.

Negativer Einfluss durch Iran-Wahlen

Ein Aktienhändler äußerte sich ähnlich. "Bei den Wahlen im Iran war der Gewinner nicht der Favorit der USA. Das könnte einen negativen Einfluss auf den Ölpreis haben, das könnte die Spannung in der Region erhöhen", sagte er. Auch Giuseppe Amato, Marktstratege beim Broker Lang & Schwarz, hielt Auswirkungen der Wahlen im Iran auf den Aktienmarkt über den Ölpreis für möglich. "Die Wahl könnte Auswirkungen vor allem auf den Ölmarkt haben, weil die Stimmung hier derzeit sehr angespannt ist", sagte er.

Der Iran ist der zweitgrößte Ölproduzent in der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Am Montag kletterte der Ölpreis zeitweise auf ein neues Rekordhoch von über 60,50 Dollar und drückte damit die Aktienkurse ins Minus. In der Spitze kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI bis auf 60,64 Dollar und übertraf damit die alte Rekordmarke vom vergangenen Donnerstag bei 60,05 Dollar deutlich.

Sorgen am Aktienmarkt

Im laufenden Jahr ist der Ölpreis damit insgesamt bereits um 17 Dollar gestiegen. Der steigende Preis für den Rohstoff hat in den vergangenen Wochen und Monaten am Aktienmarkt immer wieder Sorgen über die negativen Auswirkungen des Ölpreises auf die Unternehmensgewinne genährt, da er die Kosten für Produktion und Transport erhöht.

Der künftige iranische Präsident Ahmadinedschad beharrt weiter auf der Fortsetzung des Atomprogramms, will aber die Gespräche mit der EU fortsetzen. Zudem forderte er eine Präzisierung aller Ölförder- und Exportverträge. Deutschland, Frankreich und Großbritannien verhandeln im Namen der EU seit Monaten mit dem Iran über ein Ende der Produktion atomwaffenfähigen Kernbrennstoffs. Die USA werfen der Islamischen Republik vor, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Kernenergie heimlich Atomwaffen zu entwickeln, was die Regierung in Teheran bestreitet.

Wachstum wird deutlich gedämpft

Der Höhenflug des Ölpreises wird nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) das internationale Wirtschaftswachstum deutlich dämpfen. "Bleiben die Ölpreise auf diesem Niveau oder steigen gar noch weiter, dürfte das Deutschland auf Jahressicht bis zu einem halben Prozentpunkt reales Wirtschaftswachstum kosten", sagte DIHK-Chefvolkswirt, Axel Nitschke, am Montag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. In Österreich geht man von einer Konjunkturbelastung im Ausmaß von 0,4 bis 0,8 Prozent aus.

"Die ungebremste Ölpreishausse entwickelt sich zum zentralen Konjunkturhandicap des Jahres 2005", sagte Nitschke. Zwar zeigten die hohen Ölpreise auch eine weiterhin agile Weltkonjunktur an - und somit eine robuste Nachfrage nach deutschen Exporten. "Beim derzeitigen Ölpreisniveau, das in Euro gerechnet fast 70 Prozent über seinem Januarwert liegt, können wir aber schon fast die Hoffnung auf ein baldiges Wiedererstarken der Binnenwirtschaft begraben", zeigte sich Nitschke skeptisch.

Produzenten können nach Einschätzung von Nitschke die steigenden Energiekosten kaum an ihre Abnehmer weitergeben, dem Verbraucher wird an der Zapfsäule zusätzlich Kaufkraft entzogen. (APA/Reuters/dpa)

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