Skandal durch Mexikos Trainer

11. Juli 2005, 15:06
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La Volpe wirft der FIFA nach Niederlage gegen Argentinien unverblümt Betrug vor: "Finale muss mit bestimmten Mann­schaf­ten besetzt sein"

Hannover - Nach dem verlorenen Elfmeterkrimi gegen Argentinien witterte Mexikos Fußball-Teamchef Ricardo La Volpe eine Verschwörung. "Man wusste es schon vorher", schimpfte der Coach mit heiserer Stimme am Sonntagabend nach dem dramatischen Halbfinal-Aus im Confederations Cup. "Das Finale musste mit bestimmten Mannschaften besetzt werden."

Statt im Endspiel gegen Brasilien zu spielen, mussten sich die Mexikaner nach dem 5:6 im Elfmeterschießen mit dem Spiel um Platz drei gegen Gastgeber Deutschland trösten.

"Es geht um Wirtschaftliches"

Unverblümt warf La Volpe in Hannover dem Weltverband FIFA vor, dass der italienische Schiedsrichter Roberto Rosetti für das gewünschte Ergebnis sorgen sollte. "Man muss berücksichtigen, dass es manchmal auch um Wirtschaftliches geht." Vor allem das nicht angemessen geahndete schwere Foul von Fabricio Coloccini gegen Ramon Morales (70.) brachte den Kettenraucher in Rage: "Das muss Rot sein. Er hat gar nicht versucht, den Ball zu spielen."

Während Morales mit einer Kopfverletzung ausgewechselt werden musste, spielte Coloccini weiter und wurde in der Folge von den Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen. La Volpe klagte, dass die "Fußball-Großmächte immer diesen kleinen Vorteil haben. Wir müssen selber eine Großmacht werden, um gleich behandelt zu werden."

Osorio: "Das ist bitter"

Während sich die Argentinier bereits auf das Traumfinale gegen den großen Rivalen Brasilien freuten, trauerten die Verlierer der verpassten Chance nach. Tief saß der Schmerz bei den Mexikanern, vor allem bei Ricardo Osorio, dessen Elfer von Argentiniens Goalie German Lux pariert wurde. "Das ist bitter", sagte Osorio, "aber niemand hat mir einen Vorwurf gemacht, alle haben mich getröstet."

Während die Mexikaner müde und enttäuscht Hannover verließen, versprühten die argentinischen Spieler schon Vorfreude auf das Finale am Mittwoch "Es ist aufregend, so ein großes Finale zu spielen", sagte Javier Zanetti nach seinem 100. Länderspiel-Einsatz.

Saviola muss zuschauen

Brasilien ist der erklärte Lieblingsgegner der Argentinier. Vor wenigen Wochen hatten die Argentinier den Rekordweltmeister in der WM-Qualifikation geschlagen. "Es ist nicht wichtig, ob Confed-Cup, WM-Qualifikation oder Testspiel, jeder will dabei sein", sagte Javier Saviola. Der Stürmer muss nach seiner Roten Karte allerdings zuschauen. "Darüber bin ich sehr traurig."

Auch beim argentinischen Teamchef Jose Pekerman war die Freude über den Finaleinzug gedämpft, allerdings aus einem anderen Grund. "Für uns Argentinier ist das ein sehr trauriger Tag. Ein junger Spieler ist gestorben. Das schmerzt uns sehr", sagte der Coach mit tränenerstickter Stimme.

Für einen kurzen Moment gab es im sonst so hektischen Geschehen eine ungewohnte Stille. Der Tod von Emiliano Molina hatte den Trainer der "Gauchos" offensichtlich tief getroffen. Der U17-Nationalspieler von Independiente hatte nach einem Autounfall zwölf Tage mit dem Tod gerungen und war in der Nacht vor dem Spiel in Hannover gestorben. Ihm zu Ehren trugen die Argentinier beim Sieg gegen Mexiko schwarzen Trauerflor.(APA/dpa/Reuters)

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    La Volpe redet nicht um den heißen Brei.

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