Männliche Nervenbahnen führen in die Sprachlosigkeit

12. April 2000, 12:16

Anders als bei Frauen haben Männer keinen direkten Konnex zwischen Gefühls- und Sprachzentrum

Wien/Hamburg - Der deutschen Frauenzeitschrift Für Sie zufolge haben Wissenschafter herausgefunden, dass die Sprachlosigkeit mancher Männer bei (Beziehungs-)Problemen an der Struktur der Nervenbahnen liegt. "Nur im weiblichen Gehirn bestehen unmittelbare neuronale Verbindungen zwischen Gefühlszentrum und Sprachzentrum", zitiert das Blatt den Medizin-Nobelpreisträger George Snell.

Noch Ende der achtziger Jahre forderte die American Psychological Association, der Mann müsse endlich sein "Gefühlsvokabular auf das Niveau der Frau heben". Inzwischen gehen manche Experten davon aus, dass "er" das nur mit allergrößter Anstrengung kann.

Weil Denken und Sprache eng miteinander zusammenhingen, falle es dem Mann schwer, seine Gefühle auszudrücken. "Er weiß, er fühlt etwas. Nur was genau er fühlt, das weiß er nicht", sagt Snell.

Männer seien im Gegensatz zu Frauen oft der Meinung, sie hätten keine Beziehungsprobleme. Deshalb müssten sie auch nicht darüber sprechen.

Eine europaweite Umfrage des belgischen Forschers Leo Jammes zu diesem Thema hat laut Für Sie ergeben: "Männer haben nach eigener Einschätzung Probleme mit der Installation neuer Software. Mit der Achillessehne. Mit dem Zündklappenventil eines Sechszylinders. Aber nicht mit der Beziehung." Beziehungsprobleme seien auf Platz 17 der "Probleme-Hitparade" gereiht worden.

"So denken Männer. Und es ist nicht einmal Selbstbetrug", meint der Berliner Soziologe Karl F. Gründler. Die Schmerzschwelle in Beziehungsfragen sei bei einem Mann höher als bei einer Frau. Eine schlechte Beziehung belaste ihn viel weniger als die Partnerin. Erst wenn der Bruch der Partnerschaft drohe, spreche er darüber. Dann vertraue er sich, wenn auch ungern, einem Freund an. Denn dann müsse er eingestehen, dass er keine Lösung parat habe, und das sei in seinen Augen ein Zeichen des Versagens.
(APA)

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