Fast die Hälfte der berufstätigen Frauen arbeitet Teilzeit

8. Juli 2005, 13:56
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Männer-Anteil bei lediglich 5,5 Prozent - ÖGB-Vizepräsidentin Csörgits fordert für Round Table "Nägel mit Köpfen" - mit Grafik

Wien - Vor dem Round Table zu Frauenbeschäftigung am Mittwoch mahnen die Gewerkschaftsfrauen mehr Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik ein. Bei einer Pressekonferenz am Montag wies ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits (S) auf die nach wie vor vorhandenen gravierenden Einkommensunterschiede zwischen Männer und Frauen hin sowie auf die stetig steigende Frauenarbeitslosigkeit und Teilzeitarbeitsquote. Christine Gubitzer, Frauenvorsitzende der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, bekrittelte den Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen für unter dreijährige Kinder.

Zuwachs bei Teilzeitbeschäftigungen

Vom Round Table zu Frauenbeschäftigung erwartet sich Csörgits, dass die "Ernsthaftigkeit der Situation" in Österreich erkannt werde: "Ich erwarte mir, dass wir wirklich Nägel mit Köpfe machen." Denn: Die Frauenarbeitslosigkeit steige und steige. Und: Der Beschäftigungszuwachs bei Frauen gehe in den vergangenen Jahren überwiegend auf das Konto eines "starken Zuwachs" bei den Teilzeitbeschäftigungen, führte die ÖGB-Vizepräsidentin aus. So würden von 1,5 Millionen berufstätigen Frauen 635.300 Frauen Teilzeit arbeiten, was einer Teilzeitquote von 42,5 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Die Teilzeitquote bei Männer beträgt lediglich 5,5 Prozent. Noch deutlicher ist folgendes Szenario: Von 2000 bis 2003 habe es ein Plus an teilzeitbeschäftigten Frauen um 90.224 gegeben. Aber nur um 5.279 mehr Frauen hätten einen Vollzeitjob ergattert.

Teilzeitarbeit nicht immer freiwillig

"Teilzeitarbeit ist nicht die automatische Beschäftigungsform", betonte Csörgits. Die "eine oder andere Frau" wünsche sich Teilzeitarbeit, um Familie und Beruf vereinbaren zu können, aber nicht immer sei dies freiwillig. Zudem werde die Arbeitslosigkeit derzeit lediglich "verwaltet". Es müssten mehr Mittel für die Schaffung von Vollzeitbeschäftigung zur Verfügung gestellt werden: Csörgits denkt da an 60 Millionen Euro mehr. Den Frauen müsse verdeutlicht werden, dass sich längere Teilzeitarbeit vor allem auf die spätere Pension auswirke, ergänzte Gubitzer.

Kinderbetreuung vor dem Kindergarten

"Wohin mit den Kindern?", sei die wichtigste Frage von berufstätigen Frauen, betonte Gubitzer. In Niederösterreich liege die Betreuungsquote durch öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen bei Kindern von null bis unter drei Jahren bei nur vier Prozent, in Wien auch nur bei 22 Prozent. Besser sei die Situation bei älteren Kindern. Die Regierung müsse dafür sorgen, dass Länder und Gemeinden ihrer Aufgabe zur Schaffung und Erhaltung von ausreichenden Kinderbetreuungseinrichtungen nachkomme, forderte Gubitzer. Und besonders im ländlichen Raum gelte, dass die Kindergärten nicht über Mittag zusperren sollen, pflichtete ihr Csörgits bei. Die Gewerkschafterinnen fordern auch eine Qualifizierungsoffensive für Wiedereinsteigerinnen. "Der Ausstieg aus der Babypause ist von der Politik gut organisiert, der Wiedereinstieg ist es nicht", kritisierte Erika Nussgraber-Schnabl, Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG), und forderte eine Infokampagne für Kindergeldbezieherinnen. Denn nach einer Erhebung würden lediglich 50 Prozent darüber Bescheid wissen, dass der Kündigungsschutz nicht so lange dauert wie die Bezugsdauer. Nach gefragt, welche Forderungen die Gewerkschafterinnen an die Männer in der Sozialpartnerschaft in puncto Verminderung der Einkommensunterschiede haben, meinte Csörgits: Gerade die unteren Einkommensbereiche müssten in den Kollektivverhandlungen mehr berücksichtigt werden. Sowohl Csörgits als auch Gubitzer betonten, dass vieles auch an den Arbeitgebern liege. Gubitzer nannte ein Beispiel: So sei ein "ordentlicher" Kollektivvertrag für Pflegehelfer ausgearbeitet worden, nun würden die Arbeitgeber versuchen, diesen "über das Hintertürl" zu umgehen. (APA)

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