3.000 Jahre altes Gräberfeld wird in der Steiermark freigelegt

3. Juli 2005, 19:02
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Riesige urnenfeldzeitliche Anlage mit rund 100 Urnengräbern - 11 Arbeitslose als Grabungsgehilfen

Graz - Mit tatkräftiger Unterstützung von Langzeitarbeitslosen wird zu Zeit das größte urnenfelderzeitliche Gräberfeld in der Steiermark freigelegt. Die rund 3.000 Jahre alte Anlage, deren gesamte Ausdehnung bisher noch nicht erschlossen ist, umfasst vermutlich über 100 Gräber und hat wohl zu der urnenfelderzeitlichen Siedlung am Wildoner Schlossberg gehört, vermutet Grabungsleiter Christoph Gutjahr vom Kulturpark Hengist. Mit Sicherheit wurden dort auch Menschen aus Südtirol bestattet.

Sie waren als Verkäufer, Maurer oder im Pflegedienst tätig - die neun Männer und zwei Frauen, die seit Mai täglich ab 7.00 Früh am Gräberfeld in Kainach ausrücken um die 3.000 Jahre alte Geschichte ein Stückchen weiter ans Licht zu bringen. "Ich habe heuer wirklich eine Spitzenpartie", so Gutjahr, der schon mehrmals in Kampagnen im Rahmen des "Steirischen Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogrammes" mit Langzeitarbeitslosen zusammengearbeitet hat. Die Kosten übernehmen zu zwei Drittel das Arbeitsmarktservice und zum anderen das Land Steiermark.

Bis Oktober sollen 6.000 Quadratmeter untersucht werden

Das Gräberfeld wurde im Herbst 2004 in Kainach in der Gemeinde Weitendorf bei Vorarbeiten für einen Industriepark entdeckt. Damals hat man vorerst 31 Gräber geborgen, die rund 2.700 bis 3.000 Jahre alt sind. Seit Mai wurden weitere 47 Gräber freigelegt. Bis Oktober will man die rund 6.000 Quadratmeter große Fläche untersucht haben.

"Bei sämtlichen Gräbern handelt es sich ausnahmslos um Brandbestattungen aus der Urnenfelderzeit, also dem spätesten Abschnitt der Bronzezeit in Europa", so Gutjahr. Der Begriff bezieht sich auf die Sitte, Friedhöfe mit Urnenbestattungen - eben "Urnenfelder" - anzulegen. In der späten Urnenfelderzeit entstanden auf Hügelkuppen befestigte Siedlungen mit stadtähnlichem Charakter wie beispielsweise am Wildoner Schlossberg. Sie waren Mittelpunkte des Handels, der Metallverarbeitung, der Politik und Religion.

Beigesetzte Menschen dürften Händler gewesen sein

Unter den Kainacher Gräbern finden sich für die Steiermark unübliche Typen der so genannten Laugen-Melaun-Gruppe aus Südtirol. "Im Gebiet des heutigen Südtirol hat man die Grabbeigaben nicht verbrannt und auch die Keramik speziell ornamentiert", so Gutjahr. Vier solcher Gräber wurden bisher in Kainach gefunden. Gutjahr vermutet, dass es sich bei den Verstorbenen wohl um Händler gehandelt hat.

Die vollständige Erforschung des Gräberfeldes wird jedenfalls tiefere Einblicke ermöglichen. Zu den noch zu lösenden Fragen meint der Grabungsleiter: "Wir versuchen, Einzelheiten über genaue Datierung des Gräberfeldes, Änderungen in der Bestattungssitte, Zuwanderungen, Ausstattungsmuster der Gräber sowie die Ausdehnung zu erschließen." (APA)

Führungen

Jeden Donnerstag ab 16.00 Uhr
Kontakt: Frau Roscher
Tel: 0676/530 005 75

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