Oppositionschef Berisha siegessicher

4. Juli 2005, 18:36
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Ex-Präsident: "Ich erwarte die absolute Mehrheit" - Regierung "tief in Korruption verstrickt"

Tirana - Der frühere Staatschef der Republik Albanien und heutige Oppositionsführer Sali Berisha rechnet mit einem klaren Wahlsieg bei den Parlamentswahlen am 3. Juli. "Ich erwarte die absolute Mehrheit", sagte der 60-Jährige in Tirana. "Es kommen wieder so viele Menschen zu meinen Wahlveranstaltungen wie nach dem Sturz des Kommunismus 1992", betonte er. "Vor allem die jungen Leute reagieren überaus herzlich."

Den Hinweis, dass einige Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den regierenden Sozialisten voraussagen, kontert Berisha: "In unserem unterentwickelten Land sind solche Befragungen wenig aussagekräftig, weil wir keine Erfahrung mit diesen Methoden haben."

Geläuterter Medizinprofessor

Der Medizinprofessor, der als erster nichtkommunistischer Präsident 1997 nach einem Finanzchaos, Plünderungen der Armee- Waffendepots und bürgerkriegsähnlichen Unruhen zurücktreten musste, sieht sich heute geläutert. "Ich habe die Verantwortung für meine Fehler übernommen." Jetzt existierten Gesetze, die ein ähnliches Chaos verhinderten. "Damals gab es solche Gesetze nicht." Die seitdem regierenden Sozialisten hätten jedoch die Gewalt im ganzen Lande angezettelt, die nur durch eine internationale Friedenstruppe unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Jede Zusammenarbeit mit den Sozialisten schließt Berisha aus. "Die Korruption hat sich auch nach unabhängigen ausländischen Analysen unter ihnen verdreifacht", begründet er seine Position. Große Teile der Regierung wie der Landwirtschaftsminister, der stellvertretende Wirtschaftsminister sowie der Ministerpräsident und Sozialistenchef Fatos Nano selbst seien "tief in Korruption und Vetternwirtschaft verstrickt". Neben der Korruptionsbekämpfung seien Steuererleichterungen, ausländische Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen die wichtigsten Anliegen einer von ihm geführten Regierung.

Die bevorstehende Abstimmung wird nach Überzeugung Berishas mit Hilfe der EU, der USA und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erstmals demokratisch ablaufen. "Wir sind bisher das einzige Land ohne freie Wahlen gewesen", sagt er weiter. Im Falle seiner Niederlage werde er der Politik endgültig den Rücken kehren.

"Wenn ich bei wirklich freien und fairen Wahlen verliere, werde ich aus der Politik ausscheiden", kündigt er an. Frühere Vorwürfe nach eigenen Niederlagen, die Wahlen seien unfair gelaufen, solle es dann nicht mehr geben. "Ich akzeptiere jede Entscheidung der internationalen Wahlbeobachter". (APA/dpa)

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    Oppositionschef Prof. Dr. Sali Berisha auf einem Wahlplakat

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