Uni Wien ringt um Entwicklungsplan

5. Juli 2005, 14:35
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Beschlussfassung für 1. Juli geplant - "Cooles" Ergebnis, Entscheidungsprozess "ur-arg"

Wien - Die Auseinandersetzungen um den Entwicklungsplan der Universität haben an der Akademie der bildenden Künste zu einem Abwahlantrag des Senats gegen den Rektor geführt.

Senat hat zugestimmt

An der größten Universität des Landes, der Uni Wien, dürfte diese Gefahr nicht bestehen. Zwar gibt es noch keine Letztversion des Plans - den bisherigen Entwürfen hat der Senat aber bereits zugestimmt, betonte Senats-Vorsitzender Gerhard Clemenz bei einer von der Plattform Universitärer Mitbestimmung (PLUM) organisierten Podiumsdiskussion am Donnerstagabend. Die Beschlussfassung im Uni-Rat ist für den 1. Juli geplant.

Der im Gesetz nicht näher definierte Entwicklungsplan ist ein Strategiepapier, in dem unter anderem die Widmung von Professuren anzuführen ist. Weitere Schwerpunkte an der Uni Wien sind die Festlegung von sechs uni-übergreifenden und 113 fakultären Forschungsschwerpunkten oder die künftige Studienarchitektur.

Mehr Lehrer für Studierende

Rektor Georg Winckler schilderte die Probleme der Universität, die mit dem Entwicklungsplan angegangen werden sollen. Im Vergleich mit der Universität Zürich und der Ludwig-Maximilian-Universität München sei etwa die Anzahl der Studenten pro Uni-Lehrer um bis zu 50 Prozent zu hoch und das Budget um bis zu 40 Prozent zu niedrig. Statt 300 müsste die Uni Wien im Vergleich außerdem über 400 Professoren verfügen. Weiteres Strukturproblem der Universität: Die Überalterung des wissenschaftlichen Personals. Selbst wenn nur eins zu eins nachbesetzt würde, müssten bis 2008 rund 80 Professoren neu vergeben werden.

"Cool" und "ur-arg"

In der Universität umstritten ist weniger der Entwicklungsplan selbst, sondern der Weg zu dessen Entstehung. In der Sprache seiner Kinder ausgedrückt, sei das Ergebnis "cool", betonte Romanistik-Professor und PLUM-Vertreter Karl Ille. Wie der gesamte Prozess gelaufen sei, wäre hingegen "ur-arg". So sei etwa die Möglichkeit der Mitbestimmung der Uni-Angehörigen von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich gewesen.

Man müsse außerdem bedenken, dass die mit den Schwerpunkten einhergehende "Hierarchisierung der Forschung" nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer habe: "Was machen die Leute, die jetzt noch eine Grundsicherung haben?" Bei Einschnitten werde man sicher unten anfangen und nicht bei den als Schwerpunkten definierten Forschungsgebieten.

Wo bin ich?

Betriebsratsvorsitzender Gert-Michael Steiner vermisst im Entwicklungsplan Angaben, was mit den rund 8.000 Bediensteten der Uni geschehe. Im Plan sei viel über die 300 Professoren zu lesen - "wenn sich aber der durchschnittliche Mittelbauer das durchliest, fragt er sich 'Wo bin ich?' ."

Übereinstimmung gab es vor allem in einem Punkt: Der Entwicklungsplan könne nur Ausgangspunkt einer "rollierenden Planung" sein, betonte Clemenz. Auch Steiner nannte ihn ein "erstes Gerüst, aber nicht das Ende der Entwicklung". Und ein Teilnehmer aus dem Publikum meinte: "Das Positivste ist, dass der Entwicklungsplan im Jänner 2006 revidiert wird." (APA)

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